Kündigungswelle droht

18. November 2008, 12:34
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Die Zahl der Frühwarnmeldungen vervierfachte sich im Oktober auf 29.433, Kurzarbeit wurde auch auf Leiharbeiter ausgeweitet

Wien - Auf Österreich rollt eine Kündigungswelle zu: Die Zahl der beim Arbeitsmarktservice (AMS) im Rahmen des Frühwarnsystems angemeldeten Kündigungen kletterte per Ende Oktober auf 29.433 Betroffene. Das waren mehr als viermal so viel wie noch Ende September als 6.784 Anmeldungen vorlagen. Dies bedeutet zwar nicht, dass alle angemeldeten Personen auch tatsächlich gekündigt werden, so AMS-Sprecherin Beate Sprenger. Unternehmen melden vorsichtshalber an, die Tendenz sei allerdings steigend.

Die meisten Meldungen liegen in Oberösterreich (6.879) vor, gefolgt von Kärnten (5.511) und Niederösterreich (4.680). Keine einzige Meldung gab es per Ende Oktober in Vorarlberg.

Während die Auto- und Autozulieferindustrie mit Kurzarbeit durch die Krise tauchen will, hat vor allem die Bauwirtschaft ihre Beschäftigten beim Frühwarnsystem angemeldet. Spitzenreiter ist der Hochbau mit 15.518 Anmeldungen, gefolgt vom Tiefbau mit 3.623 und dem Bereich Baustelleninstallation und Ausbaugewerbe mit weiteren 3.451. Die Arbeitsüberlasser haben 1.106 Beschäftigte zur Kündigung angemeldet. In der Glas- und Glaswarenindustrie gibt es 1.342 Meldungen.

Die Meldungen über Kündigungen reißen aktuell nicht ab: So sind von den 2.400 heimischen Mitarbeitern der Siemens Softwaresparte PSE 475 von Kündigung bedroht. Im GM-Werk in Wien Aspern zittern wegen der Opel-Krise die Mitarbeiter um ihren Job. 150 Leiharbeiter werden dort per Ende November abgebaut. Für die 1.850 Stammbeschäftigten konnten bis jetzt Kündigungen und Kurzarbeit vermieden werden, hieß es zuletzt.

Erst heute teilte der Leiterplattenhersteller AT&S mit, dass im Werk Leoben-Hinterberg ein Drittel der Belegschaft gehen muss. Von den Kündigungen sind 293 Stammmitarbeiter und 159 Leiharbeiter betroffen. Der Mitarbeiterstand verringert sich somit von 1.370 auf 918 Beschäftigte.

Auto- und Autozulieferbranche betroffen

Dazu kommen steigende Kurzarbeitszahlen: In der Steiermark sind derzeit 4.800 Mitarbeiter in Kurzarbeit. Betroffen sind 29 Betriebe vor allem aus der Auto und Autozulieferbranche. Neben Magna-Steyr in Graz und Heavy Stamping in Gleisdorf mit rund 3.000 Betroffenen haben derzeit 13 Firmen des steirischen Autoclusters (AC Styria) für 700 Beschäftigte um Kurzarbeitsförderung angesucht. Dazu kommen noch rund 1.100 Personen aus dem nicht automotiven Bereich. Zu Stillständen ist es auch im oberösterreichischen BMW-Werk in Steyr gekommen. Dabei werden im Rahmen flexibler Arbeitszeiten Überstunden abgebaut.

Mittlerweile wurde die Richtlinie für Kurzarbeit erweitert. Ab 12. November können auch Leiharbeiter kurzarbeiten. Bis dahin waren Leiharbeiter davon ausgeschlossen. Damit soll verhindert werden, dass nur die Stammbelegschaft vorübergehend kurzarbeitet, während langjährige Leiharbeiter zum Arbeitskräfteüberlasser zurückgeschickt werden.

Voraussetzung dafür: Leiharbeitskräfte müssen wie auch die Stammbelegschaft bereits vor der Kurzarbeit im Betrieb eingesetzt sein und über die Kurzarbeitsphase hinaus im Betrieb verbleiben. Zudem muss die Stammbelegschaft erhalten bleiben.

Bei Kurzarbeit müssen in einem Betrieb innerhalb von vier aufeinanderfolgenden Wochen mindestens vier Fünftel der jeweils durch Gesetz oder Kollektivvertrag vorgesehenen wöchentlichen Normalarbeitszeit gearbeitet werden. Für die betroffenen Arbeitnehmer gilt ein Kündigungsschutz entsprechend der Dauer der Kurzarbeit. Kündigungen dürften frühestens nach Ablauf dieser Behaltefrist ausgesprochen werden. Kurzarbeitshilfe wird lediglich als Überbrückungshilfe für unvorhergesehene Ereignisse, nicht als Sanierungsmaßnahme gewährt.

Die vereinbarte Kurzarbeit kann nur im Einvernehmen mit dem jeweiligen Betriebsrat und der zuständigen Gewerkschaft eingeführt werden. Bei Fehlen eines Betriebsrates ist das Einvernehmen mit der zuständigen Gewerkschaft herzustellen.

Für den durch die Kurzarbeit verursachten Gehaltsausfall erhält der betroffene Arbeitnehmer eine Kurzarbeitsbeihilfe vom Arbeitsmarktservice (AMS), die gleichzeitig mit dem Gehalt vom Arbeitgeber ausbezahlt wird. (APA)

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