Minderheiten haben eigene Sendungen in CEE-Staaten

18. November 2008, 11:31
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In Slowenien, Kroatien, Serbien und der Slowakei haben Minderheiten eine Plattform im öffentlich-rechtlichen Rundfunk

In den CEE-Staaten Slowenien, Kroatien, Serbien und Slowakei haben die meisten Minderheiten eigene Sendungen im öffentlich-rechtlichen Rundfunk, um sich medial zu artikulieren. Doch es gibt auch Probleme mit der medialen Integration einzelner Minderheitengruppen. Andere, wie die Kroaten, Serben und Bosnier in Slowenien, müssen noch für eigene Sendungen in Fernsehen und Radio kämpfen. Und nicht immer werden Minderheiten in den Medien fair behandelt.

"Italiener, Ungarn und Roma haben im öffentlich-rechtlichen Rundfunk in Slowenien eigene Sendungen, die von ihnen produziert werden", erzählt Boris Bergant, Generaldirektor von Radio und Fernsehen Slowenien, am Montag am Rande einer Journalistentagung im ORF-Zentrum gegenüber der APA. Da diese mit Untertiteln gesendet werden und somit von allen Slowenen verstanden werden können, würden sie maßgeblich zur Integration beitragen. "Kroaten, Serben und Bosnier haben in Slowenien zwar ihre eigenen Institutionen, aber keine Medien. Derzeit gibt es eine große Diskussion, ob sie welche brauchen", so Bergant. Dies sei nicht nur eine Kostenfrage, sondern auch eine Prinzipienfrage.

Ungarn in der Slowakei

Pavol Mudry, Direktor der slowakischen Nachrichtenagentur SITA, sieht die ungarische Minderheit in der Slowakei durch die Medien fair betreut. "Neben einer eigenen Zeitung haben die Minderheiten zusätzlich Sendungen auf ungarisch und ruthenisch im öffentlich-rechtlichen Fernsehen", so Mudry. Eine deutschsprachige Sendung gebe es nicht, aber die deutsche Minderheit verlange auch keine. "Schwierigkeiten haben wir mit den Roma; die Medien berichten zwar über Programme für sie, aber sie werden auch kritisiert, weil sie sich nicht integrieren wollen", erklärt Mudry.

In Serbien gebe es spezielle Sendungen im Rundfunk vor allem für die Minderheiten in der Provinz Vojvodina, wo eine gute Koexistenz herrsche, so Dusan Gajic, Koordinator der serbischen South East Europe TV Exchanges (SEETV). "Wenn es um die Berichterstattung über Minderheiten geht, habe ich manchmal das Gefühl, es existieren in Serbien gar keine Minderheiten - außer wenn etwas mit ihnen im Zusammenhang passiert." Problematisch sieht Gajic die Rolle der Kosovo-Albaner in den serbischen Medien: "Die negativen Stereotypen, die von den serbischen Medien erzeugt werden, fallen auch auf die Minderheit der Kosovo-Albaner in Serbien zurück." Es werde nie aus der Perspektive der Minderheit, sondern immer aus serbischer Perspektive berichtet, kritisierte Gajic.

Xenophobie in Kroatien

Eigene Programme haben Minderheiten, allen voran die serbische, auch in Kroatien, erzählte Zrinka Vrabec-Mojzes von Radio 101. Die Medien versuchten generell, die Minderheiten fair zu behandeln. "Wir haben aber ein Problem mit großer Xenophobie in Kroatien", deshalb sei die Berichterstattung auch nicht immer gerecht. "Diskriminierend ist etwa, dass es Unterschiede bei der Berichterstattung über Kriegsverbrechen gibt - je nachdem, ob sie von Kroaten oder von Serben begangen worden sind", so Vrabec-Mojzes.

In Österreich haben die Slowenen in Kärnten mit "Radio Dva" ein eigenes Radioprogramm, auf Radio Burgenland gibt es tägliche Sendungen auf kroatisch und ungarisch. Über eine Stunde Programm für die Volksgruppen in Wien läuft auf der Mittelwelle des ORF. Eine halbe Stunde pro Woche sendet ORF 2 spezielle Programme für die autochtonen Minderheiten. (APA)

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