Redegewitter in Theaterprosa

18. November 2008, 10:16
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Aufführung von Wolf Haas' Roman "Das Wetter" im Theater Drachengasse

So absichtlich langweilig, wie der Titel klingt, ist Wolf Haas' Roman Das Wetter vor 15 Jahren natürlich genau nicht. Nur die aktuelle Aufführung im Theater Drachengasse arbeitet sich ein Stückchen in diese Richtung vor. Man braucht eben schon gute Gründe, ein Interview zu inszenieren, in dem ein Autor (Clemens Matzka als Haas) einer Journalistin (Silke Buchholz) über seine Neuerscheinung Auskunft gibt. Und genau diese fehlen in Wolfgang Reiters Inszenierung.

Die komplexe, aus mehreren Erzählinstanzen aufgebaute Struktur dieses Interviewromans fällt in langwierigen epischen Sequenzen alsbald in sich zusammen. Zwischen einem unbestimmten weißen Möbelkubus (städtisch?) und einem Esstisch mit karierter Decke (ländlich?) graben sich die zwei Gesprächspartner durch die Textschichten und Perspektiven und liefern damit zugleich den Romanplot: Ein Mann kehrt in den Urlaubsort seiner Jugend zurück, in dem er einst mit der Tochter des örtlichen Bergrettungschefs in ein Gewitter kam, sich mit ihr ins Schmugglerlager rettete, woraufhin der ebenfalls Schutz suchende Vater dort der Zutritt verwehrt blieb und starb. Mit schnellem Reporterinnen-Schritt und auf lahmeren, aber willigen Schreiberbeinen wird dabei die Bühne Erich Spergers bis in die Hinterräume vermessen. Die szenische Ausarbeitung bleibt nur schwache Krücke zum Text, und somit alles recht öd. (afze, DER STANDARD - Printausgabe, 18. November 2008)

 

Theater Drachengasse, Di-Sa bis 20. 12. jew. 20.00

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