Yahoo!-Chef Yang tritt zurück

18. November 2008, 13:34
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Der 40-jährige Mitgründer zieht die Konsequenzen aus dem massiven Druck nach der im Sommer geplatzten Übernahme durch Microsoft

Yahoo-Chef und Internet-Pionier Jerry Yang wirft nach zunehmender Kritik an seiner Arbeit das Handtuch. Branchenkenner schließen nun einen neuen Anlauf von Microsoft zur Yahoo-Übernahme nicht aus - Yang hatte sich wiederholt gegen das einstige 47-Mrd.-Dollar-Offert des Rivalen ausgesprochen.

Der 40-jährige Yang werde seinen Chefposten räumen, sobald ein Nachfolger gefunden sei, teilte Yahoo am Montagabend mit. Investoren hatten dem Mitbegründer des Konzerns vorgeworfen, der milliardenschweren Fusion mit dem Softwareriesen Microsoft ebenso im Weg gestanden zu haben wie der geplanten Internet-Anzeigenkooperation mit Google. Beide Konzerne hatten ihre Angebote an Yahoo nach längerem Hin und Her zurückgezogen.

Unabhängigkeit

Der in Taiwan geborene Yang hat versucht, die Unabhängigkeit des Konzerns zu bewahren, den er seit der Gründung 1995 mit aufgebaut hat. Einem Verkauf von Yahoo wollte er nur zustimmen, wenn "der Preis der richtige" sei - Kritiker warfen ihm jedoch beständig überzogene Preisvorstellungen vor.

Die Yahoo-Aktie legte als Reaktion auf den Rückzug nachbörslich vier Prozent zu. Der Analyst Ross Sandler von RBC Capital Markets bezeichnete den Schritt als Chance, überfällige Veränderungen bei Yahoo einzuleiten. Yang sei das Hindernis bei einer Einigung mit Microsoft gewesen, der 47,5 Mrd. Dollar (37,5 Mrd. Euro) für eine Übernahme von Yahoo geboten hatte. Am Montag war Yahoo nur noch 15 Mrd. Dollar an der Börse wert. Yangs Rückzug werde Spekulationen wecken, dass Microsoft einen neuen Anlauf für die Fusion starten könnte, erklärte Sandler. Von Microsoft war bisher kein Kommentar zu erhalten.

Nachfolger gesucht

Yang hatte den Chefposten bei Yahoo im Juni 2007 übernommen, um das Unternehmen aus der Krise zu führen. Schon bald darauf wurde aber Kritik laut. So scheiterten nicht nur die Geschäfte mit Microsoft und Google - auch die Gespräche mit Time Warner über eine Fusion mit dessen AOL-Sparte verliefen im Sand. Die Aktien von Yahoo verloren seit ihrem Jahreshoch im Februar fast 65 Prozent ihres Werts. Im Oktober hatte Yahoo zudem angekündigt, wegen des wegbrechenden Anzeigengeschäfts rund 1.500 Stellen zu streichen, was zehn Prozent der Gesamtbelegschaft ausmacht. Für die Nachfolge von Yang sucht eine Beratungsfirma nun innerhalb und außerhalb des Konzerns nach einem Kandidaten.

In einer E-Mail an die Beschäftigten bezeichnete Yang seinen Rückzug als gemeinsame Entscheidung mit dem Direktorium. Dessen Chef Roy Bostock werde die Suche nach einem Nachfolger leiten. Er selbst werde weiter dem Direktorium angehören und sich auf die Bereiche Strategie und Technologie konzentrieren. "Ihr alle wisst, dass ich immer violett geblutet habe und das immer tun werde", schrieb Yang mit Blick auf die Markenfarbe des Konzerns. (APA)

 

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