"Österreichisches Universitätssystem zu elitär"

18. November 2008, 09:03
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Österreichische Unis bei neuer internationaler Studie auf dem vorletzten Platz - Grund: zu wenig Geld für Unis, wenig Uni-Absolventen und späte Einführung der Fachhochschulen

Im internationalen Ranking schneiden Österreichs Universitäten wieder einmal schlecht ab: In der jüngsten Studie des Forschungsinstituts Lisbon Council landet Österreich unter 17 Ländern auf dem vorletzten Platz. Die meisten der untersuchten Länder sind aus der EU, aber auch Australien, Kanada und die USA wurden erfasst. Neben Universitäten sind auch Fachhochschulen bei der Auswertung berücksichtigt worden.

Der Lisbon Council hat für das Ranking die Akademikerquote, Zugangsvoraussetzungen, Jobchancen der Absolventen, Attraktivität für ausländische Studenten, Reformbereitschaft der Unis und deren Rolle für lebenslanges Lernen untersucht. In der Gesamtwertung all dieser Indikatoren landet Österreich auf dem 16. Platz, hinter Deutschland und vor Spanien. Die besten Ergebnisse erreichen Australien, Großbritannien und Dänemark.

"Das österreichische Universitätssystem ist zu elitär"

Für die Studienautoren sollten Universitäten vor allem eines leisten: sie sollten möglichst viele Menschen ausbilden, und ihnen eine relevante Ausbildung für den Arbeitsmarkt mitgeben. Doch gerade bei der Zahl der Absolventen schneidet Österreich immer noch sehr schlecht ab. Trotz zum Teil überfüllter Hörsäle. Paul Hofheinz vom Forschungs-Institut Lisbon Council sagt im Ö1-Morgenjournal: "Das österreichische Universitäts-System ist zu elitär. Es bildet nicht genug Menschen aus. Und jene, die am Ende einen Abschluss haben, sind mit dem Magister-Titel oft überqualifiziert."

Österreich kommt in der Studie auf 20 Prozent Uni-Absolventen oder Menschen mit einer vergleichbaren Ausbildung. Andere Länder wie Polen, Dänemark und Finnland kommen auf weit über 40 Prozent.

Studiengebühren sind nicht entscheidend

Ob es in einem Land Studiengebühren gibt, oder nicht, ist für die Zahl der Absolventen nicht entscheidend, sagt Paul Hofheinz: "Was wirklich entscheidend war, ist wie viel Geld insgesamt für die Universitäten zur Verfügung steht. In Skandinavien investiert der Staat sehr viel, mit ausgezeichneten Resultaten - und in den USA kommt viel aus dem privaten Bereich. Letztendlich kommt es darauf an, dass überhaupt genug Geld für die Universitäten vorhanden ist."

Jeweils Rang 13 gibt es für Österreich bei den Kategorien "Attraktivität für ausländische Studenten" und "Universitäten als Einrichtungen des lebenslangen Lernens". Obwohl Österreich mit elf Prozent Ausländer-Anteil unter den Studenten auf Platz vier landet, verschlechtert sich die Position bei der Attraktivität des Studienstandorts durch die nationale Zusammensetzung der Gaststudenten: In Österreich kommen 97 Prozent aller ausländischen Studenten aus den zehn Top-Herkunftsländern, während dies etwa in Dänemark nur 38 Prozent sind, was die Studienautoren als Hinweis auf die weltweite Attraktivität eines Landes sehen.

Mehr Studenten ausbilden

Österreich schneidet unter anderem deswegen schlecht ab, weil Kurz-Studium und Fachhochschulen erst relativ spät eingeführt wurden, sagen die Studienautoren. Hier hätten andere Länder bereits einen großen Vorsprung.

Besser schneidet Österreich hingegen bei der Effizienz ab. Hier wurde gemessen, ob Uni-Absolventen auch einen gut bezahlten Job finden, also am Arbeitsmarkt gefragt sind. Österreich landet dabei immerhin auf Platz fünf.

Fazit der Studie: Österreich sollte deutlich mehr Studenten in Unis und Fachhochschulen ausbilden, um international wettbewerbsfähig zu bleiben.

Hahn: "Zu hohes Ausbildungsniveau kritisiert"

Wissenschaftsminister Johannes Hahn (ÖVP) kommentierte das Ranking im Standard-Gespräch folgendermaßen: "Wenn die Kritik dieser Studie lautet, dass wir mehr Akademiker auf geringerem Niveau mit weniger Einkommen produzieren sollten, dann teile ich nur die erste Kategorie und ansonsten bin ich zufrieden. Dass jemand ein zu hohes Ausbildungsniveau kritisiert, habe ich überhaupt noch nie in einer Studie gehört." (APA, red / nim, DER STANDARD, Printausgabe, 19.11.2008)

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