Steigende Heizkosten: Kalt und unsensibel

17. November 2008, 19:42
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Die Rechnung für eine warme Wohnung wird in diesem Winter hoch ausfallen, sofern man sich das Heizen überhaupt noch leisten kann

Man sieht die Zahlen, ist verstimmt und vielleicht sogar verarmt: Die Rechnung fürs Heizen wird in diesem Winter hoch ausfallen. So saftig, dass sich einige hunderttausend Menschen in Österreich, immerhin einem der reichsten Länder Europas, eine warme Wohnung nicht leisten werden können. Die existenzbedrohende Problematik steigender Heizkosten betrifft längst nicht mehr nur die untersten Einkommensschichten, sondern zunehmend auch den Mittelstand. Das gibt der Caritas zu denken, vielleicht auch der Politik, selbst wenn sie das offiziell nicht zugibt. Nicht ohne Grund haben einige Bundesländer eilfertig angekündigt, die Gaspreise eh bald wieder senken zu wollen - oft freilich erst im Frühling.

Dass Wien und Niederösterreich just ein paar Tage nach der Wahl verkündeten, was in Sachen Gas- und Strompreis wirklich Sache ist, ist kein Zufall. Vor allem zeugt es nicht von überragender politischer Sensibilität, dass beispielsweise in Wien die regierende SPÖ im Wahlkampf vollmundig verkündet hatte, weder Gebühren noch Mieten noch sonst irgendetwas werde erhöht werden - und ein paar Tage später war alles anders. Wenn man dann auch noch kleinlaut zugeben muss, dass das 100 Millionen Euro teure Konjunkturpaket nicht reichen wird, um armen Wiener Rentnern das Erdgas zumindest teilweise zu bezahlen, erhöht das nicht gerade die Glaubwürdigkeit. Und damit nicht genug: Der stadteigene Energieversorger verlangt auch noch finanzielle Garantien von sozial Schwachen.

Es wird spannend, ob die Wähler das bis zur Wiener Wahl 2010 wieder vergessen werden. (Petra Stuiber/DER STANDARD, Printausgabe, 18. November 2008)

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