Krise im imperialen Wien

17. November 2008, 18:43
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Die sinkende Zahl an Besuchern in Schönbrunn lassen Kritik am Tourismus-Marketing aufkommen

Wien - Der Städtetourismus könnte im kommenden Jahr massiv unter der Finanzkrise leiden, warnt der Wiener Zukunftsforscher Andreas Reiter. Franz Sattlecker, Geschäftsführer der Schloss Schönbrunn Betriebsgesellschaft, leidet jetzt schon: "Wir haben im November um 17 Prozent weniger Besucher. Dass sich die Zahlen ins Plus drehen ist unwahrscheinlich", sagt Sattlecker zum Standard. Im Vergleichszeitraum 2007 hatte man ein Besucherplus von 0,7 Prozent gegenüber dem Jahr davor. Ob die Finanzkrise Schuld sei, könne er nicht mit Sicherheit sagen. "Ganz zu leugnen ist der Zusammenhang sicher nicht".

Deswegen schmeckt ihm auch die neue Marketingstrategie, mit der Wien Tourismus die Stadt bewirbt, nicht: Diese setzt neuerdings auf das kreative Potenzial der Stadt. Erst vor kurzem stellte Wien-Tourismus-Geschäftsführer Norbert Kettner die neue Linie "Wein und Design" vor. "Der Tourismus wird 2009 sicher nicht expandieren. Auf neue Märkte zu setzen, ist da sicher nicht günstig", sagt Sattlecker. In Zeiten wie diesen würde er die Kernkompetenz der Stadt setzen: das imperiale Wien.

"Sturm im Wasserglas"

"Das ist ein Sturm im Wasserglas," kommentiert Kettner Sattleckers Kritik. Denn valide Zahlen, wie sich die Krise auf den Tourismus auswirken könnte, habe man nicht. "Ich renne nicht wie ein kopfloses Hendl durch die Gegend, nur weil ein Indikator nach unten zeigt", sagt Kettner. Das historische Erbe und Flair sei nach wie vor ein zentrales Element der Werbung. Derzeit arbeitetet der Touristiker an einer Finanzkrisen-Strategie, die er demnächst vorstellen will.

Petra Stolba, Geschäftsführerin der Österreich Werbung warnt vor Panikreaktionen, wie etwa, die Preise zu senken: "Das was jetzt ist, geht auch einmal vorbei". (Marijana Miljkoviæ/DER STANDARD, Printausgabe, 18. November 2008)

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