Volksbank Wien als Geldspritze

17. November 2008, 18:04
10 Postings

Noch im Laufe dieser Woche wird die Volksbanken AG entscheiden, ob und wieviel Geld sie vom Staat abholen wird, die Gremien tagen am Mittwoch

Wien - Noch im Laufe dieser Woche wird die Volksbanken AG (ÖVAG; Spitzeninstitut der Volksbanken) voraussichtlich entscheiden, ob und wie viel Geld sie vom Staat abholen wird.
Das hängt, wie berichtet, davon ab, wie sehr sich die Aktionäre der Bank (58 Prozent halten die 64 "kleinen" Volksbanken über die Volksbanken-Holding; 25 Prozent die deutsche DZ-Bank, zehn Prozent Ergo/Victoria und 6,1 Prozent die Raiffeisen Zentralbank, RZB) in eine Kapitalerhöhung einbinden lassen. Die ÖVAG hat ja, nach der Malaise der Kommunalkredit (geht an den Staat), bekanntgegeben, ihr Kernkapital um rund eine Milliarde Euro aufstocken zu wollen.
Am Mittwoch treffen die Volksbanken ihre Entscheidung: Da tagen ihre Gremien. Schon zuvor hatten die Aktionäre ihre Bereitschaft zur Einzahlung deponiert (die ÖVAG zieht dafür auch bei der Kapitalerhöhung der RZB mit).

Wie hoch ihr Beitrag sein wird, ist noch nicht endgültig geklärt - möglicherweise könnte es (auf Basis von einer MilliardeEuro) zu einer Relation 40 Prozent Altaktionäre und 60 Prozent Staat kommen. Denkbar ist aber auch, dass sich die ÖVAG nach der Dekonsolidierung der Kommunalkredit mit einer Kapitalspritze von 800 Mio. das Auslangen finden könnte.

Totalumbau

Sie wollen die Aktionäre aber auch das neue Geschäftsmodell der ÖVAG genauer präsentiert bekommen. An selbigem tüfteln die Volksbanker unter Franz Pinkl gerade intensiv. Grund: Die ÖVAG hat mit dem Verkauf der Kommunalkredit an die Republik die Geschäftssparte Kommunalfinanzierungen verloren - wie man das kompensiert und wie die ÖVAG die wirtschaftlich kargen Jahren 2009 und 2010 unter diesen Rahmenbedingungen bewältigen wird, wurde zuletzt erarbeitet.

Im Zuge der Umbaumaßnahmen in der ÖVAG könnte es gleich auch zu einer (bereits öfter thematisierten) Begradigung bei den Beteiligungen kommen. Die Volksbank Wien nämlich gehört zu rund 82 Prozent der ÖVAG direkt; laut Bankern gibt es nun "Überlegungen und erste Gespräche" , die Volksbank Wien sektorintern an die Holding zu verkaufen. Das könnte der ÖVAG einen Erlös von um die 200 Mio. Euro bringen, schätzen Banker. Der Vorteil für die Volksbanken: Sie müssten für ihre Mutter unter dem Titel Geldspritze weniger Geld springen lassen und bekämen dafür die Wiener Volksbank.

Sehr emsig wurde zuletzt auch an Bilanz und Budget gerechnet. Die Planungen (vor der Krise) sahen ein ÖVAG-Konzernergebnis von rund 400 Mio. Euro vor. Zum Halbjahr lag die ÖVAG, viertgrößte Bankengruppe des Landes, zwar noch fast auf Kurs - allein die Finanzkrise (Island, Lehman, Rumänien, Ungarn) dürfte die Bank aber rund 200 Mio. Euro kosten; die Kommunalkredit an die 400. Vorausgesetzt, die ÖVAG hebt ihre stillen Reserven, könnte das Jahr 2008 mit einem Plus von 100 Mio. Euro enden - und mit Ausschüttungen für die Aktionäre, auf die selbige großen Wert legen. (Renate Graber, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 18.11.2008)

Share if you care.