Belegschaft droht mit Streik

18. November 2008, 09:26
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Nach der Postge­werk­schaft droht nun auch der Telekom-Betriebsrat mit einem Streik gegen die geplanten Personal­kürzungen, der Vorstand hält an den Sparplänen fest

Wien - Während der Telekom-Betriebsrat mit Streik gegen geplante Personalkürzungen droht, wendet sich der Telekom-Vorstand gegen "Drohgebärden", sagte Unternehmenssprecher Martin Bredl heute, Dienstag, im Ö1-"Morgenjournal". "Für Streiks haben wir kein Verständnis. Der Betriebsrat wurde hier eingebunden und ausreichend informiert. Wenn nun Streiks angekündigt werden, schadet das sicher dem Unternehmen." Der Vorstand sei jederzeit zu Gesprächen mit der Personalvertretung bereit, an den Sparplänen halte man aber fest.

Telekom-Betriebsratschef Michael Kolek fordert ein Gespräch zwischen Belegschaftsvertretung und Unternehmensleitung über die Zukunft der Festnetzsparte. Sollte das nicht bis Ende November zustande kommen, seien Kampfmaßnahmen nicht auszuschließen.

Im Rahmen des Post-Gipfels wird die Telekom-Personalvertretung am Mittwoch um 10.30 Uhr vor dem Finanzministerium eine Protestkundgebung veranstalten.

Wie berichtet, sollen 2.500 Telekom-Mitarbeiter der Festnetzsparte in den nächsten drei Jahren gehen, 1.250 schon im kommenden Jahr. Das hat der Vorstand der Telekom vor einer Woche angekündigt. Doch wie viele Bedienstete in den einzelnen Bereichen tatsächlich ihren Job verlieren, sei nicht klar, sagte Kolek. Von der Unternehmensführung würden immer wieder neue Zahlen genannt, Kolek spricht von einer "Hü-Hott-Geschichte, die nicht durchdacht ist".

"Wenn die Basis nicht mehr da ist, dass man sprechen kann, dann werden wir natürlich alle Maßnahmen, die uns zur Verfügung stehen, auch nehmen", so Kolek. Man habe das in diesem Jahr schon mehrmals bewiesen, dass man Betriebsversammlungen in großem Stil abhalten könne. "Und es gibt natürlich noch Steigerungsstufen dazu." Das könnte bis zum Streik gehen.

"Glühende Leitungen"

Ein Streik in der Vorweihnachtszeit würde das Unternehmen hart treffen, glühen doch im Dezember die Leitungen vor lauter Weihnachtsgrüßen. Sollten zusätzlich die Mobilkom-Shops bestreikt werden, dann fällt auch dieses Geschäft weg. Die Belegschaft der Telekom-Tochter Mobilkom Austria hat sich jedenfalls schon solidarisch mit den Festnetzkollegen erklärt. Entgegen landläufiger Meinung funktioniert das Mobilfunknetz nur wenn auch das Festnetz läuft. Und was eine Ausfall beim Marktführer im Mobilfunk bedeutet wurde erst kürzlich sichtbar, als es einen Softwarefehler im Netz gab und Kunden in Teilen von Wien und Niederösterreich stundenlang nicht telefonieren konnten.

Kolek fordert nun rasch nach dem Vorbild der Post AG einen "Telekom-Gipfel" mit Finanzminister Wilhelm Molterer (V). Morgen findet bereits der Postgipfel statt. Eine Tag später gibt es die nächste große Runde - diesmal allerdings von Arbeitnehmerseite. Bei einer Betriebsrätekonferenz wollen die Telekom-Mitarbeiter gemeinsam mit ihren Kollegen von den Alternativen Anbietern, die auf das Telekom-Netz angewiesen sind, die Zukunft des Festnetzes beraten. (APA)

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    Telekom-Betriebsratschef Michael Kolek fordert ein Gespräch zwischen Belegschaftsvertretung und Unternehmensleitung über die Zukunft der Festnetzsparte.

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