Kabuye an Frankreich ausgeliefert

20. November 2008, 07:41
4 Postings

Protokollchefin Präsident Kagames wird Beteiligung an Mordanschlag auf Präsident Habyarimana vorgeworfen

Paris/Frankfurt - Die vor gut einer Woche auf dem Frankfurter Flughafen festgenommene ruandesische Spitzenpolitikerin Rose Kabuye ist am Mittwoch nach Frankreich überstellt worden. Sie traf am Nachmittag auf dem Flughafen Charles de Gaulle bei Paris ein, teilte einer ihrer Anwälte mit. Kabuye, Protokollchefin des ruandesischen Präsidenten Paul Kagame, war in Frankfurt von Pariser Beamten abgeholt worden. Gegen die 47-Jährige liegt ein in Frankreich ausgestellter europäischer Haftbefehl vor.

Kabuye saß seit ihrer Festnahme am vorvergangenen Sonntag in der Frauenhaftanstalt Preungesheim. Ihr wird eine Verwicklung in den Abschuss des Flugzeuges des damaligen Staatspräsidenten Ruandas, Juvenal Habyarimana, im April 1994 vorgeworfen. Der Anschlag war der Ausgangspunkt für den Völkermord an mehr als einer halben Million Menschen, zumeist Tutsi und moderate Hutu durch extremistische Hutu. Das Morden hörte erst auf, als eine Rebellengruppe unter dem derzeitigen Präsidenten Kagame das Hutu-Regime stürzte.

Piloten waren Franzosen

Die Festgenommene bestreitet nach Angaben ihres Pariser Rechtsanwalts Lef Forster eine Beteiligung an dem Abschuss der Präsidentenmaschine. Die französischen Behörden befassen sich mit dem Fall, weil die zwei Piloten Franzosen waren.

Kabuyes Festnahme hatte die Beziehungen zwischen Deutschland und Ruanda stark belastet. Kagame hatte Deutschland vorgeworfen, mit der Festnahme seiner Protokollchefin die Souveränität seines Landes verletzt zu haben. Er rief seinen Botschafter aus Berlin zurück und veranlasste den Rückruf des deutschen Botschafters aus der ruandesischen Hauptstadt Kigali.

Am Mittwoch hatten zehntausende Ruandesen gegen die geplante Auslieferung Kabuyes von Deutschland nach Frankreich demonstriert. Zu den Demonstranten gehörten neben Bewohnern der Hauptstadt auch Menschen aus umliegenden Gegenden, die mit Lastwagen nach Kigali gekommen waren. (APA/AP)

 

Share if you care.