Wiener Mittelschule: Kritik an "groteskem" Abstimmungsprozess

17. November 2008, 15:32
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Katholischer Familienverband sieht "manipulatives Vorgehen" des Stadtschulrats - AHS-Elternvertreter: Wahl "völlig unreguliert"

Wien - Der Katholische Familienverband der Erzdiözese Wien (KFVW) spricht von einer "Groteske", der Verband der Wiener Elternvertreter an den AHS von einer "hatscherten G'schicht" - zwei Wochen nach Start der Abstimmungen von Lehrern und Eltern darüber, ob ihr Standort am Schulversuch "Wiener Mittelschule" teilnehmen soll, gerät das Wahlprozedere in die Kritik. Dieses sei völlig unreguliert, monierten beide Einrichtungen.

"Offene Abstimmungen"

Seit Anfang November wird an den AHS, Hauptschulen und Kooperativen Mittelschulen (KMS) über die "Wiener Mittelschule" abgestimmt. Eine Teilnahme an dem Schulversuch muss von je zwei Drittel der Lehrer und der Eltern eines Standorts befürwortet werden. Die KFVW-Vorsitzende Mechtild Lang hat am Montag dem Wiener Stadtschulrat bei der "Propagierung" des Schulversuchs bei den Eltern "manipulatives und pseudodemokratisches Vorgehen" vorgeworfen. "Der Stadtschulrat für Wien bewirbt den Schulversuch mit allen Mitteln, scheut aber auch manipulatives Vorgehen nicht", so Lang. Ihren Angaben zufolge empfehle Stadtschulratspräsidentin Susanne Brandsteidl (SPÖ) "sogar demokratiepolitisch bedenkliche Varianten, wonach die Mehrheit der bei den Infoveranstaltungen anwesenden Eltern - sogar in offenen Abstimmungen - entscheiden könne".

Lang kritisierte, dass es keine einheitliche Vorgehensweise an den Wiener Schulen gebe und dadurch jeder Direktor die Vorgehensweise wählen könne, die am ehesten das gewünschte Ergebnis bringe. Sie forderte daher die Einführung einer einheitlichen schriftlichen Abstimmung - und zwar für alle Eltern der betroffenen Standorte. Wer seine Stimme nicht persönlich abgeben könne, solle die Möglichkeit zur Briefwahl bekommen.

Eltern treffen Entscheidung für künftige Schüler

Auch der Wiener AHS-Elternvereinsvorsitzende Johannes Theiner sagte im Gespräch mit der APA, dass der Abstimmungsprozess der Eltern derzeit "möglicherweise nicht repräsentativ" sei. "Er ist völlig unreguliert", kritisierte er. Derzeit sei nicht einmal definiert, wie viele Eltern teilnehmen müssen, damit die Abstimmung gültig ist. Er fände es sinnvoller, wenn im Schulgemeinschaftsausschuss, in dem Schüler, Lehrer und Eltern vertreten sind, abgestimmt werde. Ähnlich äußerte sich Monika Ecker vom Elternverein der AHS Kandlgasse in Wien-Neubau, die als erste AHS fix für den Schulversuch gestimmt hat. Die Eltern verstünden nicht, sagte sie, wieso sie eine Entscheidung treffen sollten, von der oft nicht einmal die eigenen Kinder, sondern künftige Schüler des Standorts betroffen sein werden. (APA)

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