Spion gab auch EU-Geheimnisse weiter

27. Februar 2009, 12:36
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Ehemaliger Sicherheitschef zu zwölfeinhalb Jahren Haft verurteilt - Anonymer Diplomat: "Interne Sicherheitsabläufe der EU ernsthaft gefährdet"

Tallinn - Der am Mittwoch in Tallinn wegen Landesverrats zu zwölfeinhalb Jahren Haft verurteilte frühere estnische Sicherheitschef Herman Simm hat laut Medienberichten nicht nur NATO- sondern auch EU-Geheimnisse an Moskau weitergegeben. Die "Financial Times" (FT) schrieb am Donnerstag unter Berufung auf EU-Diplomaten, Simm habe die "internen Sicherheitsabläufe der EU ernsthaft gefährdet", indem er alle NATO- und EU-Informationen, derer er habhaft werden konnte und zu denen er "totalen Zugang" gehabt habe, an seine Russischen Kontakte weitergegeben habe.

Der Chef der estnischen Sicherheitspolizei, Raivo Aeg, bezeichnete den Fall des heute 61-jährigen Spitzenbeamten als "größten Spionageskandal in der Geschichte der NATO". Insgesamt soll Simm zwischen 1994 und 2007 rund 3.000 vertrauliche und geheim gestempelte Dokumente an seinen mutmaßlichen Auftraggeber, den russischen Auslandsgeheimdienst SWR, weitergegeben haben. Einer der beiden SWR-Agenten, mit denen Simm in Kontakt gestanden haben soll, agierte laut den Ermittlern in Estland unter dem Decknamen eines portugiesischen Staatsbürgers.

Unter den Geheimnissen, die Simm nach Moskau übermittelt haben soll, wurden Informationen über den US-Raketenschild und das Verschlüsselungssystem der NATO genannt. Bereits im Dezember hatte das deutsche Nachrichtenmagazin "Der Spiegel berichtet, Simm habe als Doppelagent auch für den Bundesnachrichtendienst (BND) gearbeitet. Der BND habe Simm bis zum EU-Beitritt Estlands 2004 "mehrere Jahre lang als vertrauliche Quelle in Tallinn" geführt und ihn dafür gut bezahlt. Bis heute unklar ist aber, ob Simm dem BND dabei in russischem Auftrag Falschinformationen unterschob oder ob er ein echter Informant des deutschen Geheimdienstes war. (APA)

 

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