Hintergrund: "Txeroki" war für besonders harte Linie bekannt

17. November 2008, 13:52
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Der verhaftete ETA-Militärchef galt als besonders kaltblütig - Soll tödliche Anschläge der letzten Jahre befohlen haben

Madrid/Wien - Der jüngst verhaftete Chef des militärischen Flügels der baskischen Separatistenorganisation ETA, Mikel Garikoitz Aspiazu alias "Txeroki" (Cherokee), gehörte zu den meistgesuchten Terroristen Spaniens. Der 35-Jährige soll für zahlreiche Anschläge verantwortlich gewesen sein und galt als "Hardliner" innerhalb der ETA.

"Txeroki" wurde am 6. Juli 1973 in Bilbao geboren. Gegen Ende der 90er Jahre schloss er sich der ETA-Splittergruppe "comando Olaia" an, die besonders zwischen November 2001 und September 2002 in der Provinz Biskaya aktiv war. In den wenigen Monaten, die "Txeroki" die Gruppe befehligte, wurden mehrere Attentate und Anschläge verübt. Internationale Schlagzeilen machte dabei die Ermordung des Richters Jose Maria Lidon. "Txeroki" steht auch im Verdacht, an der Ermordung von zwei spanischen Polizisten in der französischen Stadt Capbreton am 1. Dezember 2007 beteiligt gewesen zu sein.

Waffen- und Sprengstoffschmuggel

Im Mai 2002, begann sein rascher Aufstieg bis zur militärischen Führung der ETA. Die Polizei konnte zu diesem Zeitpunkt etliche führende Köpfe der Terrororganisation festnehmen. Mit "Txeroki" bot sich für die ETA die Möglichkeit, einen selbstständigen militärischen Arm aufzubauen. "Txeroki" forcierte den Aufbau einer eigenen Logistik für Waffen- und Sprengstoffschmuggel und vermied stets Kontakt zu anderen Strukturen der ETA. Dadurch wurde die Antiterror-Arbeit der Polizei erschwert.

Der Name "Txeroki" wurde in den folgenden Jahren schnell zum Synonym einer neuen Generation der ETA, die sich durch hemmungslose Anwendung von Gewalt als einzigem Mittel zur Erreichung der Selbstbestimmung und Unabhängigkeit kennzeichnete. "Txeroki" gilt daher als Verfechter einer sehr harten Linie in der Separatistenorganisation.

Befehl zum Ende der Waffenruhe

Der ETA-Militärchef gab vermutlich vor zwei Jahren den Befehl, eine neunmonatige "Waffenruhe" der ETA zu beenden, indem er den Autobombenanschlag im Dezember 2006 auf den Madrider Flughafen anordnete. Die sozialistische Regierung unter Jose Luis Rodriguez Zapatero brach nach dem Anschlag sofort die informellen Friedensgespräche mit der ETA ab, die sie zwei Jahre zuvor aufgenommen hatte.

"Txeroki" war am 18. November verhaftet worden. Er wurde in der südfranzösischen Stadt Cauterets von spanischen und französischen Spezialeinheiten aufgespürt und im Schlaf überrascht. (APA)

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