Constantia: Tag der Wahrheit rückt näher

17. November 2008, 13:45
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Bis zum nächsten Aufsichtsrat Statusbericht und Due Diligence fertig - Immo-Abspaltung in Schwebe

Wien - Am 12. Dezember soll fest stehen, wie es mit der Constantia Privatbank (CPB) weiter geht. Bis zu diesem Tag erwarten die Eigentümer - fünf Großbanken, die die Constantia Bank Mitte Oktober in einer Nachtsitzung aufgefangen haben - einen Statusbericht per Ende Oktober 2008. Ein erster Zwischenbericht der internen Revision muss in den Bericht ebenso einfließen wie eine wirtschaftliche und rechtliche Due Diligence-Prüfung. Bis dahin wird auch Klarheit über umstrittene Geldflüsse erwartet. Um die Probleme aufzuarbeiten, wurde ein Heer von Beratern und Juristen engagiert.

Bis 12. Dezember - da tagt der Aufsichtsrat unter seinem Vorsitzenden Walter Knirsch - wird laut Bankvorstandschef Andreas Grünbichler zudem fest stehen, ob die derzeit gestoppte Abspaltung von Immo-Töchtern (Immo-KAG mit Immofonds Constantia Real Estate, Hausverwaltung etc.), die gemäß der alten Entflechtungspläne ursprünglich mit den Managementverträgen zur Immoeast/Immofinanz gehen sollten, in der Bank bleiben oder verkauft werden.

"Die Spaltung ist noch nicht zu Ende geführt", sagte Grünbichler am Montag. Auch das hänge von der Prüfung ab. Er sei nicht sicher, ob die Bank auf Dauer eine Hausverwaltung sein solle. Die Privatbank habe einen "stabilen Kern", mit Expertise im Privatkunden/Stiftungs- und Wertpapiergeschäft. Das würde er gern ausbauen. Ob Assets in der Folge abverkauft werden sollen, beantwortete Grünbichler heute nicht. Ende November will er eine neue Geschäftsordnung durchsetzen.

Grünbichler wurde von den neuen Eigentümerbanken in den Vorstand der gebeutelten Bank geholt. Er hat sein neues Amt vor gut einer Woche angetreten. Heute, Montag, Abend, wendet er sich in einer Mitarbeiterinformation an die 150-köpfige Bankbelegschaft. Auf die Frage, wie lang sein Vertrag läuft, sagte Grünbichler, er stehe so lange zur Verfügung, wie dies die Eigentümer wollten. Es gehe ihm um eine Bestandsaufnahme und Stabilisierung. "Ich versuche, die Dinge in den Griff zu kriegen. Ich bin nicht gekommen, um das Licht abzudrehen", versicherte der neue Bankchef heute. Wichtigste Assets seien die Mitarbeiter.

Gertner tritt ab

Grünbichler wird die Bank künftig mit Vorstand Karl Arco führen. Vorstand Norbert Gertner wird ausscheiden. Grünbichler will, wie er sagt, einen Schlussstrich unter die Vergangenheit ziehen. Allzu leicht dürften es ihm seine Vorgänger nicht gemacht haben. Wie verlautet, sollen ihm bis dato Vorstandsprotokolle nicht ausgehändigt worden sein. dazu äußert sich der Chef nicht. Wie weit er seinen Vorgänger Karl Petrikovics mit Anzeigen und Klagen einzudecken gedenke, sagte Grünbichler ebenfalls nicht.

Es gilt die Unschuldsvermutung. Würden rechtliche Schritte nötig, werde er "der erste" sein, der reinen Tisch mache, so Grünbichler heute. Zu den schlagzeilenträchtigen Vorwürfen rund um Immogruppe und Bank sagte er nichts. Zu Geldflüssen, Haftungen der Alteigner, zur Rolle der "Ibag" bei der Weiterleitung von Geldern an einst bankeigene Gesellschaften, zu möglichen Forderungen von der Immoeast/Immofinanz-Gruppe oder drohenden Schadenersatzklagen (darunter von Christian Niedermeyer) verwies er auf das Bankgeheimnis, vertrauliche Verträge oder laufende Prüfungen. Die Rechtsabteilung schaue sich alles an.

Mit der gesetzlichen Due Diligence (Legal Audit) wurde die Anwaltskanzlei Fellner Wratzfeld und Partner beauftragt. "Spezialthemen", darunter die Geldflüsse, durchleuchet für die Bank Deloitte und von Seiten der Immofinanz/Immoeast PwC.

Grünbichler hatte erst vorige Woche seinen letzten Arbeitstag bei Zurich Financial in der Schweiz. Vor Jahren hatte er in Österreich einmal die Finanzmarktaufsicht (FMA) geleitet. (APA)

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