Der Stromkrieg

17. November 2008, 16:41
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Ende des 19. Jahrhunderts wollten zwei Erfinder die USA mit Strom versorgen: Edison setzte auf Gleichstrom, Westinghouse auf Wechselstrom - Chronologie eines Streits

Erneuerbaren Energien gehört die Zukunft. Sonne, Wind und Wasser haben enormes Potenzial, um die Menschheit mit Energie zu versorgen. Man denke nur an das gewaltige Sonnen- und Windpotential, das in der Sahara "brach" liegt. Schon lange diskutieren Experten über den Einsatz von Photovoltaik- und Wind-Anlagen in der Sahara. Technisch geraten diese Visionen schon bei dem Stromtransport aufgrund der großen Entfernungen an ihre Grenzen. Als mögliche Lösung verweisen Experten immer wieder auf Hochspannung-Gleichstrom-Übertragung, im Gegensatz zum bestehenden Wechselstromnetz. Doch warum setzte sich weltweit Wechselstrom durch? Die Antwort dieser Frage lässt sich im späten 19. Jahrhundert finden, als noch nicht feststand, welches Stromsystem dominieren würde.

Die Erfinder Thomas Alva Edison und George Westinghouse lieferten sich eine Auseinandersetzung über Jahre: Edison war Verfechter des Gleichstroms, Westinghouse setzte auf Wechselstrom. Beide wollten die USA mit Elektrizität versorgen. Der "Stromkrieg" zwischen den beiden Erfindern nahm seinen Anfang.

Wie alles begann

Gegen Ende des 19. Jahrhunderts stieg die Nachfrage an Elektrizität, unter anderem durch Edisons Erfindung der Kohlefaden-Glühbirne. Edison arbeitete mit Gleichstrom, der jedoch einen großen Nachteil hatte: Ein Stromtransport über längere Distanzen war aufgrund zu hoher Verluste nahezu unmöglich. Nur ein kleiner Umkreis konnte durch Kraftwerke mit Energie versorgt werden. Der Industrielle und Erfinder Westinghouse erkannte diesen Nachteil und versuchte mit Hilfe des Ingenieurs Nikola Tesla eine elektrische Versorgung über längere Strecken zu erreichen. Dies sollte ihm mit dem leicht zu transformierenden Wechselstrom gelingen. Durch die so möglichen Hochspannungsleitungen konnten Stromverluste wie bei Edison vermieden werden.
Das Wechselstromsystem war preiswerter, zudem konnte ein einzelnes Kraftwerk ein größeres Gebiet versorgen. Edison wollte sein System in ganz Amerika verbreiten, Westinghouse wurde zunehmend zur Konkurrenz.

Der teuflische Plan Edisons

An Westinghouse' Seite arbeitete der aus Kroatien stammende Ingenieur Nikolas Tesla. Er war zuvor bei Edison angestellt, ein Streit beendete das Arbeitsverhältnis. Tesla, der in Graz studiert hatte, beschäftigte sich bereits in Europa mit Wechselstrom. Er immigrierte in die Vereinigten Staaten und wurde von Westinghouse bei einem Vortrag über einen von ihm entwickelten Wechselstrommotor entdeckt. Edison startete eine Kampagne, die die Gefahren von Westinghouse' Wechselstrom zum Inhalt machte. 1889 trat in New York ein neues Gesetz in Kraft, das Edison bei seiner Öffentlichkeitsarbeit gegen Westinghouse gelegen kam: Die Todesstrafe sollte nicht mehr durch den Strick, sondern durch Strom exekutiert werden. Edison setzte sich dafür ein, Wechselstrom zu verwenden. Dieser sollte dadurch als "tödlicher" Strom negativ konnotiert in den Köpfen der Menschen verhaftet bleiben. Zusätzlich schlug Edison vor, die Exekution durch Stromschlag "to westinghouse" zu nennen.

1890 wurde zum ersten Mal ein Mensch mit Wechselstrom auf dem elektrischen Stuhl hingerichtet. Trotz dieser Negativ-Kampagne schaffte es Westinghouse, immer mehr Kraftwerke zu errichten und Städte mit Wechselstrom zu versorgen.

Richtungsweisende Weltausstellung

1893 fand die Weltausstellung in Chicago statt, sie sollte von einem wahren Lichtermeer begleitet werden. Edison und Westinghouse nahmen an der Ausschreibung für die Beleuchtung teil. Westinghouse konnte den Preis seines Konkurrenten unterbieten und erhielt den Zuschlag. Chicago wurde von knapp 200.000 Glühbirnen erhellt, die Weltausstellung wurde ein Sieg für das Wechselstrom-System. Westinghouse erhielt nach diesem großen Erfolg den Auftrag, ein Kraftwerk für den Niagara-Fluss zu bauen. Strom sollte nicht nur in räumlicher Nähe der Wassermassen, sondern auch in fernen Städten genutzt werden können. Spätestens 1895, als das Kraftwerk in Betrieb ging, entschieden Westinghouse und Tesla den Stromkrieg für sich.

International hat sich das Wechselstromsystem durchgesetzt. Mittlerweile stellt auch das Hochtransformieren von Gleichstrom kein unüberwindbares Hindernis mehr dar. Für die Überbrückung von langen Distanzen werden bereits Gleichstrom-Übertragungen eingesetzt. Derzeit entsteht zwischen den chinesischen Provinzen Guangdong und Yunnan eine 1.400 Kilometer lange Hochspannungs-Gleichstrom-Fernverbindung, die leistungsstärkste der Welt. (urs, derStandard.at, 17.11.2008)

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    Im Bild zwei Glühbirnen, die von Thomas Edison produziert wurden. Unter anderem durch die Vermarktung der Glühbirne stieg die Nachfrage an Elektrizität.

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