Die mathematischen Gesetzmäßigkeiten von YouTube-Hypes

17. November 2008, 12:44
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Schweizer Forscher untersuchten Erfolgsgeschichten und das "herdenähnliche" Verhalten der Benutzer

Zürich - Forscher der Eidgenössisch Technischen Hochschule (ETH) Zürich haben mit mathematischen Methoden die Aufmerksamkeitsspirale beschrieben, die abläuft, wenn YouTube-Videos zum Renner werden. Riley Crane und Didier Sornette untersuchten, wie es dazu kommt, dass ein Video eines Unbekannten auf der Internet-Plattform YouTube innerhalb weniger Wochen Millionen Mal angeschaut wird. Mit einfachen mathematischen Modellen beschrieben sie dieses "herdenähnliche" Verhalten der Benutzer.

Der "Herdentrieb"

Die Wissenschafter unterteilten erfolgreiche YouTube-Videos in drei Kategorien, wie ETH-Life, die Internetzeitung der ETH Zürich, am Montag schrieb: "Junk"-Videos generieren viel Aufmerksamkeit, jedoch nur über sehr kurze Zeit. Sie lösen keinen "Herdentrieb" innerhalb der YouTube-Gemeinschaft aus. Die "viralen" Videos dagegen breiten sich epidemieartig aus, zum Beispiel dank Empfehlungen per E-Mail, Blogs und Internet-Links. Ein Beispiel dafür ist ein Werbe-Video für einen Harry-Potter-Film, wie die Forscher in ihrer kürzlich in der Wissenschaftszeitschrift "PNAS" erschienenen Studie schreiben.

Die dritte Kategorie, die "Qualität"-Videos, erlangen aufgrund ihrer - im neutralen Sinne gemeint - Qualität plötzlich große Aufmerksamkeit, die danach langsam abebbt. Beispiele sind Videos zum Tsunami in Südostasien im Dezember 2004. Die Forscher entdeckten, dass die Filme ganz charakteristische Kurven der Zuschauerzunahme und -abnahme haben. Das Abebben der Aufmerksamkeit bei viralen Videos etwa lasse sich mit Mathematik beschreiben, die zur Modellierung von Nachbeben bei Erdbeben benutzt wird.

Marketing-Experten werden sich freuen

Ein soziales System funktioniere also anscheinend genauso wie ein physikalisches nach bestimmten Regeln und werde so mathematisch beschreibbar, sagte Riley Crane gegenüber ETH-Life. Mit dem Modell sei es sogar möglich, anhand von Tendenzen zu erkennen, ob ein Video zum Zuschauermagneten werden könnte oder nicht.

Laut der Meldung sind die Ergebnisse für Marketingzwecke interessant: Die Forscher stünden mit dem Internet-Buchverkäufer "Amazon" in Kontakt, um das System in den Online-Buchverkauf zu integrieren. Damit könnten Händler frühzeitig erkennen, welches Buch das Zeug zum "Blockbuster" hat - und den Vorgang mit Werbung gezielt fördern.

Die beiden Wissenschafter möchten ihr System weiter verfeinern. Mittelfristig könnte eine Art Trend-Überwachungssystem im Internet entstehen. Ein Fernziel ist es laut Crane, irgendwann beschreiben zu können, weshalb es bestimmte Produkte zu dem Punkt schaffen, von dem weg sie wie ein Virus in der Gesellschaft um sich greifen. (APA/sda/red)

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