Instant Messaging ist tot, es lebe Instant Messaging

17. November 2008, 11:55
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Die Tage klassischer Instant Messenger sind gezählt - Echtzeit-Kommunikation soll über Toolbars und Widgets stärker auf sozialen Plattformen eingebunden werden

Klassische Instant Messaging Programme, die auf dem Rechner installiert werden, sind überholt. Die Anbieter der Chat-Software arbeiten an der nächsten Generation von Tools für Echtzeit-Kommunikation im Internet. Statt separaten Applikationen werden die Messenger verstärkt in bestehende Angebote und soziale Plattformen integriert, berichtet die BusinessWeek.

Weniger Nutzer für klassisches IM

Microsofts Chat-Programm hat nach Angaben des Unternehmens weltweit 300 Millionen Nutzer. Doch die User fallen langsam von ihren gewohnten Messengern ab. So haben etwa AOL Instant Messenger und ICQ im vergangenen Geschäftsjahr laut comScore Nutzer verloren. Auch die Nutzungszeit hat sich verringert, wie AOL Senior Vice President David Liu.

Mehr Traffic, mehr Werbung

Die ehemaligen IM-User nutzen ihre Clients nicht mehr so oft, da Seiten wie Facebook und Googls die Echtzeit-Kommunikation direkt auf ihren Plattformen ermöglichen. Für Nutzer hat das den Vorteil, dass sie keine zusätzliche Software installieren und bedienen müssen. Die Anbieter profitieren von mehr Traffic auf ihren Seiten und damit verbundenen höheren Werbeeinnahmen.

Neue Live Services

Google bietet Kommunikationsmöglichkeiten über Google Talk, den Gmail Chat, über kollaborative Anwendungen wie Google Docs und Widgets auf iGoogle. Microsoft hat erst vergangene Woche neue Windows Live Services angekündigt. Der Messenger soll damit stärker in die E-Mail- und Social Networking-Seiten des Unternehmens eingebunden werden (der WebStandard berichtete). Nutzer sollen sich direkt aus den Anwendungen heraus miteinander unterhalten können, beispielsweise über Hotmail.

AIM in Bebo integrieren

AOL will AIM nun ebenfalls stärker in Bebo integrierten, dem Social Network des Unternehmens. So soll Anfang 2009 ein IM-Dashboard veröffentlicht werden, das Bebo-Mitglieder auf jeder Seite nutzen können. Damit erhält auch jeder der 30 Millionen AIM-Nutzer Zugriff auf die Bebo-Profile, die in ihrer Buddy List zu Verfügung stehen.

Toolbar für Facebook-User

Facebook hat 2008 eine Toolbar lanciert, über die sich Mitglieder einzeln miteinander unterhalten können, während sie durch das Web surfen. Laut Produkt-Manager Peter Deng haben bereits über 60 Prozent der aktiven Nutzer, etwa 75 Millionen Personen, die Toolbar ausprobiert. Nutzern müsse die Möglichkeit für private Kommunikation geboten werden, so Deng.

Werbung integrieren

Auch Flixster, ein kleines Social Network für Filmfans, hat eine webbasierte Messaging-Toolbar integriert, über die Mitglieder plaudern können. Entwickelt wurde der IM-Service von dem US-amerikanischen Startup Meebo, das in den nächsten Monaten Toolbars für 19 weitere Seiten fertig stellen will. Flixster und andere Seiten, die das Tool von Meebo nutzen, können Werbung direkt in die Toolbar integrieren.

Wachstumspotenzial

Der Markt um Instant Messaging Services ist jedenfalls hart umkämpft. Laut der Radicati Group wird der IM-Traffic bis 2011 auf 711 Millionen Nutzer anwachsen. Das entspricht ausgehend von 2008 einem Wachstum von 43 Prozent. Aus Sicht der User dürfte allerdings wichtiger sein, dass die Dienste untereinander kompatibel sind, denn wenn jedes Social Network einen anderen IM-Service integriert, der nur die eigenen Mitglieder verbindet, scheint der Nutzen fraglich. Über Meebo IM sollen sich jedenfalls die Nutzer verschiedener IM-Netzwerke wie AIM, Yahoo!, MSN und Google Talk über Social Networking Plattformen unterhalten können, ohne die Clients herunterladen zu müssen. (red)

  • Instant Messaging Dienste wandeln sich vom Desktop-Client zu webbasierten Anwendungen auf sozialen Plattformen
    montage: red

    Instant Messaging Dienste wandeln sich vom Desktop-Client zu webbasierten Anwendungen auf sozialen Plattformen

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