UN-Truppe soll aufgestockt werden

18. November 2008, 14:58
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Sicherheitsrat soll MONUC um 3.085 Soldaten aufstocken - Völliges Debakel der kongolesischen Armee in Nord-Kivu

Luofu/Kinshasa/New York - Demoralisierte kongolesische Regierungstruppen haben sich am Dienstag überstürzt vor anrückenden Tutsi-Rebellen zurückgezogen. Bei dem ungeordneten Abzug in der östlichen Provinz Nord-Kivu lieferten sich die Soldaten Gefechte mit ihren Verbündeten der Mai-Mai-Miliz, die sie zum Kampf gegen die Aufständischen unter Laurent Nkunda zwingen wollte. Nkundas Truppen kontrollieren inzwischen weite Teile im Osten des Landes. Staatspräsident Joseph Kabila entließ am Montagabend Armeechef Dieudonné Kayembe und ernannte Didier Etumba Longomba zu dessen Nachfolger. Unterdessen versuchten Hilfsorganisationen, Hunderttausende von Flüchtlingen mit Nahrung und Medikamenten zu versorgen.

Dem Sicherheitsrat der Vereinten Nationen liegt inzwischen ein Antrag auf Verstärkung der UN-Friedensmission MONUC im Osten der Demokratischen Republik Kongo um 3085 Soldaten und Polizisten vor. Der Resolutionsentwurf ist am Montagabend von Frankreich unter den 15 Mitgliedern des höchsten UN-Entscheidungsgremiums in Umlauf gebracht worden. Nach Auskunft diplomatischer Kreise in New York könnte er noch diese Woche im Rat diskutiert und gegebenenfalls angenommen werden.

Die UNO hat in der Konfliktregion Nord- und Süd-Kivu bereits 17.000 Blauhelmsoldaten und Polizeikräfte stationiert. Wegen der schweren Kämpfe, durch die bisher nahezu 250.000 Menschen aus ihren Dörfern und Flüchtlingslagern vertrieben wurden, hat Generalsekretär Ban Ki-moon dem Sicherheitsrat die Verstärkung der Truppe vorgeschlagen.

Nkundas Rebellion begann vor vier Jahren. Er schützt nach eigenen Angaben die Tutsi-Minderheit im Osten und wirft der Regierung in Kinshasa vor, mit Hutu-Rebellen aus Ruanda zusammenzuarbeiten. Die Regierung weist dies zurück und verdächtigt ihrerseits die ruandesische Regierung des Präsidenten Paul Kagame, Nkunda zu helfen. Bei dem Völkermord an der Tutsi-Minorität und Teilen der Hutu-Mehrheit kamen 1994 in dem Nachbarland Ruanda über 800.000 Menschen ums Leben.

Die 2006 mit internationaler Hilfe durchgeführten ersten freien Wahlen seit der Unabhängigkeit der ehemaligen belgischen Kolonie 1960 galten als entscheidend für den Friedensprozess in dem von Ausbeutung und Krieg zerstörten afrikanischen Land, das jedoch seither nicht zur Ruhe gekommen ist. Präsident Kabila hatte die Regierungsgeschäfte 2001 als Nachfolger seines ermordeten Vaters Laurent-Désiré übernommen, der den Langzeit-Diktator Mobutu Sese-Seko vertrieben hatte.(APA/Reuters/dpa)

 

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    Trotz Verständigung auf eine Waffenruhe haben sich die Truppen des Rebellenführers Laurent Nkunda (Mitte) und kongolesische Regierungssoldaten erneut schwere Kämpfe geliefert.

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    Die UNO-Truppen sind überfordert. 3100 Mann Nachschub sollen helfen.

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