Prozess um Politkowskaja-Mord doch öffentlich

17. November 2008, 17:38
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Vier Angeklagten wird wegen Mordes an regierungs­kritischer Reporterin vor einem Moskauer Militärgericht der Prozess gemacht - mit Video

Entgegen Befürchtungen der Angehörigen von Anna Politkowskaja darf die Presse den Prozess um die Ermordung der kritischen russischen Journalistin mitverfolgen. Der Richter des Moskauer Bezirksmilitärgerichts behielt sich jedoch am Montag zum Auftakt des Prozesses den Ausschluss der Öffentlichkeit vor, sollte Druck auf die Geschworenen ausgeübt werden.

Der Prozess, der im Oktober starten sollte, musste verschoben werden, weil eine der Anwältinnen der Familie Politkowskaja unter Vergiftungserscheinungen litt. Wie die französische Zeitung Le Figaro berichtete, sei im Auto der Anwältin Karina Moskalenko ein Barometer zu Bruch gegangen. Moskalenko hält jedoch noch immer einen Giftanschlag für wahrscheinlicher.

Wegen des Mordes an Politkowskaja stehen ein Polizist, ein Exgeheimdienstler sowie die beiden Brüder des flüchtigen mutmaßlichen Todesschützen Rustam Machmudow vor Gericht. Die Anwälte der Angehörigen der Journalistin, die über den Krieg in Tschetschenien berichtet hatte, forderten, dass der tschetschenische Präsident Ramsan Kadyrow als Zeuge geladen werde. Sein Name tauche immer wieder in den Akten auf, so Moskalenko. Politkowskajas Kinder verlangen laut Itar-Tass Schadenersatz von zehn Millionen Rubel (rund 290.000 Euro). (Verena Diethelm aus Moskau/DER STANDARD, Printausgabe, 18.11.2008)

 

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    Ab Montag beginnt der Prozess gegen vier Männer, die des Mordes an der Journalistin Anna Politkowskaja verdächtigt werden.

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