Die echte Oper

16. November 2008, 19:03
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Hörens- und sehenswerte "La Bohème" in Graz

Graz - Angesichts der mit Anna Netrebko und Rolando Villazon ultimativ besetzten Bohème-Verfilmung durch Robert Dornhelm, die soeben in den österreichischen Kinos zu sehen ist, mag es ein wenig anmaßend klingen, wenn man auch Wiener Opernfreaks empfiehlt, sich dieses Puccini-Werk in der seit Samstag in Graz gezeigten Version anzuschauen und vor allem anzuhören.

Denn mit Alberto Hold-Garrido steht ein Neuling am Pult, der das Grazer Philharmonische Orchester von Anfang an zu einer Intensität aufmischt, mit der ein Film, mag er auch noch so makellos besetzt sein, einfach nicht konkurrieren kann. Der gebürtige Spanier, der in Dänemark aufwuchs und von 2003 bis 2005 Musikdirektor der Königlichen Oper war, packt Puccini, fast möchte man sagen, sehr deftig und zu Beginn mit wirbeligen Tempi an, sodass keinerlei unangebrachte sentimentale Weinerlichkeit aufkommen kann.

Dieser feste dirigentische Zugriff passt auch recht gut zur Szene, mit der Dietmar Pflegerl zu posthumen Ehren kommt. Seine Inszenierung, die im Jahr 2003 schon in Klagenfurt zu sehen war, hat Michael Eybl in der Ausstattung von Bernd-Dieter Müller und Annette Zepperitz neu einstudiert. Sie ist auf hochgradige Weise so recht nach dem Herzen des musikdramatischen Normalverbrauchers und ganz dazu angetan, dessen Erwartungen ohne irgendeine Verstörung voll zu befriedigen.

Jubelnder Erfolg

Vor allem dann, wenn die Szene von einem durchaus zufrieden-stellenden Ensemble bevölkert wird. Im Fall von Arturo Chacón-Cruz, der den Rodolfo sang, war das anfänglich nicht so ganz sicher. Doch ab seinem Sono un Poeta im ersten Akt, hat er stimmlich Tritt gefasst und sich zu tenoraler Hochform freigesungen. In Adriana Damato hatte er eine musikalisch und szenisch gleich kompakte, in ihrer Tongebung geradezu erdige Partnerin. So war der jubelnde Erfolg, mit dem das Publikum diese Produktion willkommen hieß, zu einem wesentlichen Teil schon abgesichert.

Mit Margareta Klobuèar als souveräne Musette und Konstantin Sfiris als Alcindor sowie Carlo Kang als Marcello und Wilfried Zelinka als Colline konnte diese gelungene Grazer Premiere noch zusätzlich punkten. (Peter Vujica/DER STANDARD, Print-Ausgabe, 17. 11. 2008)

 

 

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