Notruf bei töglichem Zugunglück zu spät

16. November 2008, 18:52
110 Postings

Rettungszentrale schaltete Staatsanwaltschaft ein - Autolenker rief per Handy um Hilfe, Bundesbahnen und Notrufleitstelle weisen Verantwortung von sich

St. Pölten - Nach neuesten Erkenntnissen wäre das Zugunglück vom Donnerstag, bei der ein Pkw-Lenker nahe Traismauer starb, nicht mehr zu verhindern gewesen. Bei dem Unfall war ein Auto kurz vor Mitternacht von der Straße abgekommen und auf die benachbarten Zuggleise geraten. Der im Fahrzeug eingeklemmte 30-jährige Niederösterreicher hatte seine Freundin noch per Handy gebeten, 144 zu rufen. Der Notruf ist nach Auswertung der Telefonprotokolle der Rettungsleitstelle "144 Notruf NÖ" aber erst erfolgt, als bereits ein Güterzug den Pkw erfasst hatte. Am Wochenende war eine Debatte zwischen der Notrufzentrale und den ÖBB über Kommunikationsprobleme entfacht.

Die Rettungsleitstelle hat nun eine Sachverhaltsdarstellung an die Staatsanwaltschaft geschickt. Man habe in der Unfallnacht dreimal erfolglos bei den ÖBB angerufen. Beim ersten Versuch habe niemand abgehoben, dann sei man in eine Warteschleife geraten und beim dritten Anruf an die zu dem Zeitpunkt nicht besetzte zentrale Vermittlung. Tonband-Aufzeichnungen könnten dies belegen.

"Wir haben uns nichts vorzuwerfen", sagte Stefan Spielbichler von der Notrufleitzentrale dem STANDARD. Dass sich der Diensthabende bei der Rettungsleitstelle schlicht und ergreifend verwählt habe, könne ausgeschlossen werden. Die Verbindung zur ÖBB-Notfall-Nummer werde auf Knopfdruck hergestellt und mehrmals pro Woche gewählt.

Die ÖBB werteten zu Redaktionsschluss noch Aufzeichnungen aus und gaben kein Statement zu den Vorwürfen der Rettungszentrale ab. Sprecher Christopher Seif sagte nur so viel: "Es sind immer mehrere Personen sowohl in der regionalen Verkehrsleitstelle als auch in der Verkehrsleitzentrale anwesend." (spri/DER STANDARD Printausgabe, 18.11.2008)

  • Michael M. wurde im Pkw vom Zug erfasst und getötet. Der Zusammen-stoß hätte verhindert werden können.

    Michael M. wurde im Pkw vom Zug erfasst und getötet. Der Zusammen-stoß hätte verhindert werden können.

Share if you care.