Finanzkrise frisst ÖBB-Vorsorge für MAV-Cargo auf

17. November 2008, 13:58
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Nach einem möglichen Spekulationsverlust von über 600 Millionen Euro droht nun der nächste potenzielle Verlust mit einem Währungsdeal

Wien - Wer Pech hat, hat meistens auch kein Glück. Für die ÖBB gilt das beim Kauf der ungarischen Güterbahn MAV-Cargo doppelt. Erst musste sie hinnehmen, dass die EU-Wettbewerbskommission den Rückzug der Raaberbahn aus dem Konsortium zur Auflage für den Millionendeal machte. Und nun droht auch noch eine empfindliche Verteuerung der Übernahme.

Wie der STANDARD aus hochrangigen ÖBB-Kreisen erfuhr, wollten die ÖBB-Finanzer für den Deal besonders gut vorsorgen und deckten sich mit ungarischen Forint im Wert von mindestens hundert Millionen Euro ein. Andere Quellen sprechen sogar "von der Hälfte bis zu zwei Dritteln des Kaufpreises" von 102,5 Milliarden Forint (388,4 Millionen Euro), für die sich die Staatsbahn mit Forint eingedeckt habe. Aus der erhofften Ersparnis dürfte nun nichts werden, die Vorsorge dürfte sogar Mehrkosten von bis zu zehn Prozent verursachen, wird zumindest befürchtet.

Der Grund: Die ungarische Währung hat seit Ausbruch der Finanzkrise und der damit einhergehenden schweren Wirtschaftskrise im östlichen Nachbarland gehörig an Wert verloren. Wohl sank damit auch der Kaufpreis von 102,5 Milliarden Forint, die teuer gekauften Forint machen diesen Preisverfall aber teilweise mehr als wett. Im September kostete MAV-Cargo noch 428 Mio. Euro, aktuell sind es nur mehr 388,4 Mio. Euro.

ÖBB bald in Ungarn

Ob die gutgemeinte Vorsorge doch noch zu einem Gewinn werden könnte, wird am 27. November feststehen. Da steht die Entscheidung der Wettbewerbshüter in Brüssel an. Der Kaufpreis ist eine Woche nach Unterzeichnung des Kaufvertrags fällig - in Forint. Dann sind übrigens auch die 1,8 Mrd. Forint (6,8 Mio. Euro) Erfolgshonorar für das Lobbying der ungarischen Geuronet BT fällig. Weitere Auflagen seitens der EU-Kommission erwartet man nicht. Die Frist für eine vertiefte Prüfung sei am 11. November abgelaufen.

Die Österreichischen Bundesbahnen betonten heute auf Anfrage der Austria Presse-Agentur, dass aus dem Währungsdeal wegen der hohen Verzinsung kein Verlust entstanden sei.

Da es finanziell derzeit so gut wie nichts zum Feiern gibt, ist der 70. Geburtstag des ÖBB-Aufsichtsratspräsidenten eine willkommene Abwechslung: Horst Pöchhacker darf am Freitag mit den ÖBB-Vorstandsdirektoren im Schnellzug Railjet eine Runde fahren. (ung, DER STANDARD, Print-Ausgabe/red, 17.11.2008)

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