Vom Wandeln auf schmalem Grat

16. November 2008, 18:36
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Die Analyse einiger Kerndaten aus den Budgets der österreichischen Bundesliga-Klubs für das Geschäftsjahr 2007/08 zeigt das Gefälle zwi­schen Arm und Reich und die Gefahren des Gewerbes.

Wien - Seit 2007 geben die Vereine der Bundesliga Kennwerte ihres Haushalts über den Kreditschutzverband von 1870 (KSV) bekannt. In der Tabelle (siehe Grafik) stehen nur die Vereinszahlen, in der Analyse werden die "Konzernzahlen" berücksichtigt. Das ist die Summe der Klubumsätze und der Einnahmen der Gesellschaften, an denen die Vereine maßgeblich beteiligt sind. Dabei handelt es sich in der Regel um Merchandising-, Gastronomie- und Werbe-Unternehmen.

Die Haushalte steigen Jahr für Jahr, durch die strukturelle Schwäche des Marktes sinkt die Wettbewerbsfähigkeit der Liga dennoch kontinuierlich. Im internationalen Vergleich sind die TV-Einnahmen (rund 17 Millionen Euro pro Jahr) armselig, die Sponsorerträge sind schwach, der Zuschauerschnitt ist gering (Rapid 2007/2008: 258.081, Schnitt: 14.338). Außerdem besitzt kein Verein sein Stadion, was eine hohe Anfälligkeit für Krisen und Konkurse aufgrund des geringen Eigenkapitals nach sich zieht.

  • Eigenkraft: Salzburg ist der Krösus und verfügt mit 52 Millionen über mehr als ein Drittel des gesamten Liga-Budgets von 132 Millionen. Das ist mehr, als Rapid (18, Konzern-Umsatz), die Austria (11, Konzern-Umsatz), Sturm (10, Konzern-Umsatz) und Kapfenberg (1,4) zusammen einnehmen. Sponsoreinnahmen werden nicht ausgewiesen, sie schwanken zwischen einem Drittel (Mattersburg) und zwei Dritteln des Jahresbudgets.

    Sturm zum Beispiel erlöste erhebliche Einnahmen aus der Transfertätigkeit (Prödl, Leitgeb). Die Mannschaft ist jung und für ihr Leistungsniveau und die Aussichten, bald wieder zwei, drei Jungkicker gewinnbringend verhökern zu können, geradezu ein Schnäppchen. Der Umsatz ist von 2006/07, als Hannes Kartnig vor dem Konkurs noch fleißig Kohle in den Ofen schob, von 21 Millionen auf 10,4 Millionen in der Saison 2007/08 gefallen. Sturms Budget steht mittlerweile dank der Zuschauer (Schnitt: 12.000) und der Großsponsoren im Vergleich zu vielen Mitbewerbern auf ziemlich soliden Füßen.

  • Eigenkapital: Ist die Differenz aus Verbindlichkeiten und Vermögen negativ, muss das noch lange kein Alarmsignal sein. Beispielsweise baut Rapid Jahr für Jahr sein negatives Eigenkapital ab. Die entscheidende, durch die vorliegenden Zahlen nicht beantwortbare Frage: Sind die Spieler in der Bilanz aktiviert? Da ein Fußballklub in Österreich (mangels Immobilienbesitz oder Börsennotierung) kaum Vermögen hat, ist die Versuchung, die Spieler als Aktiva aufzunehmen, verständlich.

    Der Verein darf den Kaufwert des Spielers als Vermögen in die Bilanz schreiben und muss ihn im Vertragszeitraum abschreiben. Verletzt sich der Mann zur Spielunfähigkeit, erfolgt eine außerordentliche Abschreibung. Rapid hat die Spieler in seinen Jahresabschluss nicht aufgenommen.

  • Eigendarstellung: Der LASK stellt (wie sonst nur Salzburg, das fast ausschließlich von Red Bulls Zuwendungen lebt) nur die Vereinsbilanz dar. Er schwebt auf einer Wirtschaftswolke, da die Stadt Linz Akademie und Stadionkosten übernimmt, dafür das Merchandising-Geschäft betreibt. Mattersburg nimmt aus Gastronomie und Merchandising mehr als eine Million Euro ein. Bei Rapid verdient der außerfußballerische Sektor enorm. 2006/07 betrug der Klubumsatz 8,7 Millionen, die Rapid-Wirtschaftsbetriebe trugen 3,1 Millionen ein. Macht beinahe zwölf Millionen. 2007/08 weist Rapid einen Konzernumsatz von 18 Millionen aus. Der dritthöchste Personalaufwand der Liga kann also kaum ein Problem darstellen.
  • Eigenkosten: Der Spielbetrieb (Stadion, Sicherheit) muss mit einer bis 1,5 Millionen berechnet werden. Eine Differenz zwischen Personalaufwand und Umsatz, die geringer als 1,5 Millionen ist, verdient also einen zweiten Blick. Etwa beim LASK (Umsatz 4,8 Millionen, Personalaufwand 4,2 Millionen) oder bei Altach (3,8 zu 3,1).

    Die Austria wendete noch 2006/07 nach Salzburg (36 Millionen) den zweithöchsten Betrag für das Personal (12,2), also mehr oder weniger für die Kampfmannschaft, auf. Im Sommer 2008 lief der Betriebsführungsvertrag mit Frank Stronach aus, 2007/08 sank der Personalaufwand auf 7,3 Millionen (Salzburg 32, Rapid 8,3). In dieser Saison führt sich die Austria erstmals wieder selbst. Allerdings mit dem Großsponsor Stronach, der immerhin zwischen vier und fünf Millionen im Horr-Stadion anlegt. (Johann Skocek, DER STANDARD Printausgabe 14.11.2008)

     

     

    • Budgetzahlen für die Bundesliga
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