Wien setzt auf den "Nabucco"-Retter

17. November 2008, 12:13
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Präsident des lange in Selbstisolation gehaltenen Landes ist heute zu Arbeitsbesuch nach Wien - Gas­vor­kommen des Landes wichtig für "Nabucco"-­Projekt der OMV

Wien - Imageprobleme gehören gewissermaßen auch zu den Rohstoffen, die im Überfluss aus dem Boden der zentralasiatischen Staaten sprudeln. Gurbanguli Berdymuhammedow, der Staatschef Turkmenistans, der heute, Montag, zu einem Arbeitsbesuch nach Wien kommt, beschäftigt deshalb nicht anders als Nursultan Nasarbajew, sein Amtskollege in Kasachstan, PR-Agenturen, um das Bild vom Despotenstaat zurechtzurücken.

"Turkmenistan - der neue Stern Mittelasiens", liest man deshalb während der Europareise Berdymuhammedows, und: "Mit schnellen Schritten entwickelt sich Turkmenistan wirtschaftlich und politisch immer mehr zu einer 'Schweiz Mittelasiens'". Nach Berlin am vergangenen Freitag macht der Präsident des lange abgeschotteten, von einem aberwitzigen Personalkult geprägten Landes nun in Wien Station.

"Es gab eine gewisse Aufbruchstimmung im Land nach dem Tod des früheren Führers Nijasow, wir hatten etwas Hoffnung", sagt ein in Wien lebender führender Dissident. "Doch zwei Jahre später stellt sich trotz einiger positiver Änderungen heraus, dass in Turkmenistan weiter mit eiserner Hand regiert wird." Nurmuhamed Hanamow, Ex-Minister und Chef der verbotenen Republikanischen Partei, weist auf die Dichter im Land hin, die Berdymuhammedow zu preisen beginnen wie vorher Nijasow, den selbsternannten "Vater aller Turkmenen".

Der zentralasiatische Wüstenstaat ist entscheidend für das Überleben des "Nabucco"-Projekts der OMV. Die Gaspipeline, die von der Türkei nach Österreich führen soll, braucht Lieferanten wie Kasachstan und Turkmenistan. Die EU-Kommission wie die Regierungen in der Union machen deshalb Zugeständnisse: Kasachstan, wo noch keine demokratische Wahl gelungen ist, wird 2010 ein Jahr lang den Vorsitz der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) führen; Turkmenistan wird nicht länger offen für seine Verstöße gegen die Menschenrechte gerügt.

Berdymuhammedow, der Montagnachmittag auf einer Konferenz der Wirtschaftskammer sprechen wird, hat grundsätzliche Bereitschaft für direkte Gaslieferungen nach Europa bekundet. Dies dürfte aber noch Jahre dauern. Turkmenistan muss erst einmal mehr Gas fördern, um einen neuen Vertrag über 90 Milliarden Kubikmeter Gas im Jahr mit Russland zu erfüllen. (Markus Bernath , DER STANDARD, Print-Ausgabe, 17.11.2008)

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    Der turkmenische Staatschef Gurbanguli Berdymuhammedow heute Vormittag bei Bundespräsident Fischer.

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