Industrie-Präsident gegen Branchen-Hilfspakete

16. November 2008, 17:09
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Banken sollen Kleinbetrieben Kredite geben

Wien - Das Vorziehen staatlicher Infrastrukturinvestitionen, eine "kluge Steuerreform" und weitere Konjunkturpakete, um der finanzkrisengebeutelten österreichischen Wirtschaft Impulse zu geben, befürwortet Industrie-Präsident Veit Sorger. Rufe nach separater Staatshilfe für einzelne Wirtschaftsbereiche, lehnt er jedoch ab. "Die Banken stellen mit den Mitteln des Hundert-Milliarden-Hilfspakets ja Kredite für Klein- und Mittelbetriebe zur Verfügung, sagte Sorger in der ORF-"Pressestunde". Daher brauche es nicht auch noch branchenspezifische Hilfspakete.

Klar ablehnend steht Sorger auch dem Ruf diverser ÖGB- und Arbeiterkammerfunktionäre nach einem Kündigungsstopp in Banken und Industrie gegenüber. "Ein kündliches Festhalten an Beschäftigung ist außer teuer nichts." Restrukturierungen seien angesichts des massiv veränderten Umfelds notwendig. Dass Unternehmen die Kreise ausnützten und mehr Stellen streichen würden als notwendig, das könne er ausschließen. Die Unternehmer seien verantwortungsvoll, was die Beschäftigung betrifft.
Es sei eine Tatsache, dass mehr oder minder alle Industriestaaten in die Rezession kämen.

Österreich habe im Gegensatz zu Deutschland, Italien, Großbritannien und Frankreich immerhin noch ein kleines Wirtschaftswachstum. Die Realwirtschaft reagiere in unterschiedlichen Zyklen: die Bauwirtschaft später, weil noch Aufträge abgearbeitet werden, die Automobilindustrie früher. "Jetzt ist wirklich die Stunde da, etwas dagegen zu machen."

Von den 15 Milliarden Euro zur Stärkung des Eigenkapitals der Banken seien bisher zwei Projekte da, zu Kommunalkredit und Erste Bank werden laut Sorger "noch einige dazukommen" . Auf die Frage, ob er erwarte, dass alle heimischen Großbanken die Hilfe des Staates in Anspruch nehmen werden, sagte er, er erhalte hier "unterschiedliche Signale": Einige seien besser finanziert als andere, einige seien mehr in Osteuropa engagiert. Osteuropa sei auch der Grund, warum das Paket mit 100 Milliarden Euro im Vergleich zu Deutschland und den USA (pro Kopf gerechnet) doppelt so hoch sei, sagte Sorger. (ung, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 17.11.2008)

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