Bank baut sich einen Berg

16. November 2008, 17:00
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BTV will Montafon zur führenden Skiregion machen

Gaschurn - Das Montafon hat einen neuen Berg. Der ist spitz und rot, getauft hat man ihn auch - Silvretta Montafon heißt er. 1200 Menschen lud die Bank für Tirol und Vorarlberg vergangenen Freitagabend zur "Bergtaufe" . Der Berg ist zwar in Wirklichkeit ein Logo, die Taufe war eine Markenpräsentation, aber das Ritual im Gaschurner Tenniscenter mit Pfarrer, kerzentragenden Frauen und Hymne zeigtebei den meisten Gästen Wirkung.

Wer in Krisenzeiten Zukunft und Millioneninvestitionen verspricht, wie BTV-Vorstand Peter Gaugg, gewinnt auch skeptische Bergler.
70 bis 80 Millionen Euro will die BTV, seit einem Jahr Eigentümerin der Silvretta-Nova-Gruppe, in den Ausbau des Skigebietes investieren, denn man könne "aus dem Montafon etwas machen" (Gaugg). "Wir wollen mit der Destination Silvretta Montafon Erste werden" , gibt Vorstand Georg Hoblik das Ziel vor. Lech, Zermatt und ähnliche Luxusskiorte sind Vorbild für das neue Skigebiet.

Als Designer der neuen Skidestination holte man sich den US-Amerikaner Paul Methews, der den europäischen Sitz seiner Firma Ecosign nicht zufällig am Hauptsitz des Liftbauers Doppelmayr in Wolfurt hat. Die Skigebiete Silvretta und Hochjoch/Schruns sollen zusammengeschlossen werden - 13 neue Lifte und Bahnen werden, die Genehmigung vorausgesetzt, bestehende Lifte ersetzen oder ergänzen. Mathews will das neue Skigebiet vom Verkehr befreien, statt Tagestourismus wieder Übernachtungsgäste ins Tal bringen. "Komfort" heißt das Schlagwort.

Skeptische Schrunser

Mehr Komfort wünschen sich auch die Gemeinden am Taleingang. Sie ersticken im Verkehr. Erwin Bahl, VP-Bürgermeister von Schruns und Repräsentant des Montafon: "Ein Zukunftskonzept muss alle Gemeinden integrieren, Auch jene, die vom neuen Skigebiet nur den Durchzugsverkehr haben." Man sei zu der von Gaugg beschworenen Kooperation bereit, Voraussetzung sei jedoch "Sensibilität" der BTV.
Zum Zusammenschluss der Skigebiete fehlt der BTV noch ein wesentlicher Mosaikstein: die Hochjochbahn. Die BTVhat erst 70 Prozent der Anteile. Schruns will noch nicht verkaufen. Bahl: "Die BTV will unsere Anteile geschenkt und noch zehn Millionen Infrastrukturförderung dazu. Wir müssten zahlen, hätten aber nichts zu sagen. So geht's nicht." Nun sei die BTV am Zug. Bahl: "Wir werden die Kommunikation einfordern." (Jutta Berger, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 17.11.2008)

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