Exil-Tibeter beraten über härtere Gangart gegenüber China

17. November 2008, 13:22
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Fundamentalen Kurs­wechsel steht bevor - Erstmals Volksversam­mlung in der Exilhochburg Dharamsala einberufen - Dalai Lama nicht dabei

Neu-Delhi - 660 Vertreter der im Exil lebenden Tibeter haben am Sitz der Regierung des Dalai Lama in Dharamsala in Nordindien einwöchige Beratungen über die künftige Strategie zur Durchsetzung des Selbstbestimmungsrechts ihres Volkes in China begonnen. Der 14. Dalai Lama, Tenzin Gyatso, der das Scheitern der Gespräche mit der Führung in Peking lebhaft bedauert hat, werde sich nicht persönlich an den von ihm angeregten Diskussionen beteiligen, sagte ein Sprecher der Exilregierung, Lobsang Choedak, am Montag. Nach dem gescheiterten Aufstand Anfang dieses Jahres steht die tibetische Freiheitsbewegung am Scheideweg.

Das Programm des Treffens enthielt einen Aufruf von Samdhong Rinpoche, dem Ministerpräsident der tibetischen Exilregierung, zu einer freien und offenen Diskussion. Dabei müssten neue Ideen für die Verwirklichung der gemeinsamen Ziele entwickelt werden, nachdem wiederholte Versuche zur Aufnahme eines Dialogs mit China gescheitert seien. Etwaige neue Schritte müssten ein "klares Mandat des Volkes" haben.

Die Tibeter haben nach seinen Angaben einen Plan vorgelegt, wie Autonomierechte im Rahmen der chinesischen Verfassung verwirklicht werden könnten. Die Regierung in Peking habe jedoch keinerlei Bereitschaft gezeigt, den Bedürfnissen der Tibeter entgegenzukommen.

Kritik am Dalai Lama

Erstmals überhaupt hat der Dalai Lama die "Volksversammlung" in die Exilhochburg Dharamsala in Indien einberufen lassen. Er reagiert damit auch auf die wachsende Kritik an seinem sanften "Mittelweg".

Der 73-Jährige wird selbst nicht an dem Treffen der etwa 500 Abgesandten aus aller Welt teilnehmen. Das gilt als Signal. Das Oberhaupt der sechs Millionen Tibeter macht damit den Weg für eine härtere Gangart gegenüber China frei: "Wir haben in Tibet keine positiven Veränderungen erreicht. Die chinesische Unterdrückung hat zugenommen. Ich kann deswegen nicht einfach so weitermachen. Ich muss mein Versagen akzeptieren." (APA/red/möl, DER STANDARD, Printausgabe, 17.11.2008)

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    Der Ministerpräsident der tibetischen Exilregierung, Samdhong Rinpoche, rief zu einer Diskussion über neue Ideen für die Haltung gegenüber China auf. Etwaige neue Schritte müssten ein "klares Mandat des Volkes" haben.

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