Barcelona kommt mit blauem Auge davon

16. November 2008, 16:36
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Mit der Förderung von Infrastrukturprojekten versucht man das Ende des Wohnungsbooms aufzufangen. Trotz Nachfragerückgangs sind die Immobilienpreise nicht wesentlich gefallen

Barcelona - "Spanien kommt im Allgemeinen und Barcelona im Besonderen mit einem blauen Auge von der internationalen Finanz- und Immobilienkrise davon" , sagte Christian Gessl, österreichischer Handelsdelegierte in Barcelona. Er ist jedoch überzeugt, dass die spanische Wirtschaft eine der schwierigsten Phasen in der jüngsten Wirtschaftsgeschichte durchläuft.

Laut Standard&Poor's summierten sich die spanischen Risiko-Hypotheken auf 28 Mrd. Euro, was kaum drei Prozent des Hypothekenbestandes entspricht. Die Großbanken sind infolge ihrer größeren Diversifikation kaum von der Subprime-Krise betroffen. Sprecher des Bankensektors zufolge sind einige wenige lokal beziehungsweise regional ausgerichtete Sparkassen tangiert. Ihnen will der Staat unter die Arme greifen.

Krise kaum zu sehen

In der Wirtschaftsmetropole Barcelona ist von der Wirtschaftskrise kaum was zu sehen. Sicherlich stehen mehr Immobilien zum Verkauf als noch vor einem Jahr. Die Preise sind aber noch nicht wesentlich gesunken. "Statt einen Monat benötigen wir nun fünf bis sechs Monate, um eine Wohnung zu verkaufen" heißt es beim Maklerverband Tinsa.
Der Wohnungsneubau werde zwar von bisher jährlich 900.000 auf 250.000 bis 300.000 zurückgehen, es gebe aber bereits zahlreiche Förderprogramme, um die öffentlichen Infrastrukturen auszubauen. Dies stelle eine Alternative zum geplatzten Wohnbauboom der Vergangenheit.

Durch die in den letzten Jahren entstandenen neuen Wohnviertel an der Peripherie der spanischen Großstädte wurde zwar viel Wohnraum geschaffen, es mangelt jedoch an den entsprechenden Infrastruktureinrichtungen. Die autonome Region Katalonien mit ihrer Hauptstadt Barcelona will nun jene öffentlichen Bauvorhaben fördern, die die Infrastruktureinrichtungen verbessern. Geplant ist der Ausbau von Bahn- und Straßennetzen, der Bau neuer Kindergärten und Schulen, Sporteinrichtungen und kommunaler Einrichtungen. Vor allem die Energieeffizienz in der Gebäudetechnik soll gefördert und verbessert werden.

Sanierung

In Barcelona wird auch die Sanierung von Altbauwohnungen steuerlich gefördert. Dabei spielt Holz eine immer größere Rolle. Und Österreich zählt dabei zu einem der wichtigsten Holzlieferanten. Über die Chancen für österreichische Betriebe in Barcelona, findet zu Beginn nächsten Jahres ein Fachseminar statt. (Thesy Kness-Bastaroli, Barcelona, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 17.11.2008)

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    In Barcelona wurde der Wohnungsneubau zwar massiv reduziert, die Preise sind aber noch nicht sehr gesunken.

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