Essig für Mautner Markhofs Heringe

17. November 2008, 19:19
64 Postings

Der Neustart im Fein­kostgeschäft droht für die Mautner Markhofs zu einer finanziellen Misere zu werden. Ihre Gesellschaft steht vor der Insolvenz, der Verkauf von Spak-Delikatessen wackelt

Wien - Die Rückkehr der Mautner Markhofs ins Lebensmittelgeschäft ist gescheitert. Die Wiener Unternehmerdynastie wollte das größte Feinkosthaus in Europa aufbauen, von Österreich aus den Osten bedienen und mehr als 300 Mio. Euro umsetzen. Das war vor drei Jahren.

Jetzt droht der Mautner Markhof AG die Insolvenz. Der geplante außergerichtliche Ausgleich steht auf wackeligen Beinen. Kreditschützer raten Gläubigern, der stillen Liquidation nicht zuzustimmen, solange nicht alle Bilanzen vorliegen.

Neu auf dem Prüfstand steht der Verkauf von Spak an die frühere Eigentümerfamilie. Es geht dabei um Verträge, die die Mautners nicht erfüllen und Geld, das sie für den Gabelbissen-Hersteller nicht aufbringen können, sagt Hans Peter Spak dem Standard. Er fürchte zudem Leichen im Keller. Wer diese sind, glauben Konzernkenner zu wissen.

Die EU hatte dem Rollmops- und Fischmarinaden-Spezialisten Ozean (Familie Mautner Markhof kaufte das Unternehmen 2005 und vereinte es in Gallbrunn mit Spak unter dem Namen Matmar) einst Förderungen gewährt. Die Produktion wurde allerdings aufgelassen, und Brüssel wolle daher das Geld zurück, ist aus der Branche zu hören.

23 Millionen Euro Schulden

Belegt ist laut Gläubigerschützern, dass die Mautner Markhof AG Schulden in Höhe von 23 Mio. Euro angehäuft hat. Sechs entfallen auf Banken und 3,4 großteils auf Lieferanten. Etliche dänische und holländische Betriebe hätten ihre Lieferungen mittlerweile gestoppt. Mehr als 13 Mio. Euro sind Verbindlichkeiten gegenüber den Eigentümern, erfuhr der STANDARD.

Die Mautner Markhofs schossen wohl immer wieder Geld nach - jährlich sollen es aber fünf bis zehn Mio. Euro gewesen sein, die verbrannt wurden. Der Konzern präsentierte sich 2006 mit einer Bilanzsumme von 42 Mio. Euro und zwölf Mio. Euro Eigenkapital. Heute ist die AG überschuldet und vermutlich bald zahlungsunfähig.

Laut Wirtschaftsblatt sollen die Großgläubiger mit Quoten von 20 Prozent abgespeist werden. Krankenkassen, Finanzamt und Angestellte sollen zur Gänze bedient werden, was der Alpenländische Kreditorenverband als Verstoß gegen die Spielregeln wertet: "Wir stimmen dem nicht zu." Auch der KSV1870 fordert den Konzern auf, Licht ins Dunkel zu bringen, offen zu legen wohin das Geld geflossen sei, welche Sicherheiten es gebe.

Ihre Industrieperlen haben die Mautner Markhofs längst verkauft: 2002 das angeschlagene Senf- und Essig-Reich mitsamt Marke an die deutsche Develey um rund 35 Mio. Euro. Der Verkauf ihrer Anteile am Bierkonzern BBAG an Heineken brachte 160 Mio. Euro ein. Auch Liegenschaften in Simmering wurden abgestoßen. Mit den Erlösen wollte Manfred Leo Mautner Markhof, Ex-Obi-Chef und -Banker, zur Feinkost zurück. Er und sein Bruder Theodor erwarben erst einmal "Ozean". Das seien Investitionen in eine in Westeuropa aussterbende Branche gewesen, mit zu wenig Fachwissen und zu rascher Expansion, meinen Marktkenner.

Der Versuch, letztlich Synergien mit Spak zu generieren, scheiterte, die Gruppe macht Verluste. Ziehen die ehemaligen Spak-Eigner nicht die Reißleine und kaufen Spak wie geplant zurück, sind nicht nur 40, sondern alle 120 Stellen weg. (Verena Kainrath, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 18.11.2008)

  • Zu wenig Fachwissen, zu rasche Expansion attestieren Experten den
Mautner Markhofs bei ihren Feinkostgeschäften. Jetzt geht es ans
Eingemachte.
    foto: standard/matthias cremer

    Zu wenig Fachwissen, zu rasche Expansion attestieren Experten den Mautner Markhofs bei ihren Feinkostgeschäften. Jetzt geht es ans Eingemachte.

Share if you care.