Linz, wo die Ratlosigkeit beginnt

16. November 2008, 13:35
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Der LASK hat bei Rapid 0:5 verloren, es war die siebente Niederlage in Serie. Seit knapp zehn Stunden wurde das gegnerische Tor verfehlt. Sogar Ivica Vastic (39) kennt sich nicht aus

Wien - Klaus Lindenberger hat einfach nur gelacht. Natürlich war das Spiel am Samstagabend gegen Meister Rapid aus Sicht des LASK-Trainers bedingt komisch, aber im Hanappi-Stadion einfach drauf loszuheulen, schickt sich nicht, dass wäre unbedingt peinlich gewesen. "Es war ja nicht anderes zu erwarten", sagte Lindenberger nach dem durchaus schmeichelhaften (Strafverschärfung!) 0:5. Die Statistik belegt die These von der Erwartungshaltung eindrucksvoll: Der LASK hat nun sieben Spiele hintereinander verloren, das Torverhältnis lautet 1:22. Seit fast zehn Stunden, genau sind es 593 Minuten (exklusive Nachspielzeiten), wurde kein Ball in des Gegners Kasten versenkt. Um das zu schaffen, musste Oberösterreichs beliebtester Fußballverein (knapp gefolgt von Ried) 100 Jahre alt werden. Und Lindenberger 51. Oder Kapitän Ivica Vastic 39.

Katastrophales Gesamtbild

Der Ivo war jedenfalls fix und fertig. Er fragte sich, was er denn angestellt habe, um so etwas gegen Ende einer durchaus erfolgreichen Laufbahn erleben zu müssen. Noch im Juni hat er bei der EURO Österreichs einziges Tor geschossen, diese Marke wird vermutlich ewig halten. Es sei denn, die Uefa stockt die EM-Endrunde irgendwann auf 50 Nationalteams auf.

Gegen Rapid hat Vastic sogar einmal aufs Tor geschossen. Seinen Mitspielern ist das verwehrt geblieben. Aus großer Distanz hat er in der sechsten Minute abgezogen, weil näher zum Strafraum hat es der LASK nicht geschafft. Weder davor noch danach. "Das Gesamtbild ist katastrophal. Wir müssen hart arbeiten und hoffen", sagte Vastic. "Ich schleiche mich nicht davon, ich stehe zu meiner Verantwortung." Ob er noch eine Saison anhängt? "Keine Ahnung, in meinem Alter ist es nicht sinnvoll, so weit voraus zu planen."

Es ist natürlich nicht so, dass der LASK den Lauf des Fußballs akzeptieren möchte. Man stellt schon Fragen. Lindenberger wunderte sich, "warum wir konditionell so schlecht beisammen sind. Sowohl die Jungen als auch die Alten." Das kann als Kritik an seinen Vorgänger Andrej Panadic interpretiert werden. Vastic entgegnete: "Immerhin haben wir unter ihm 21 Punkte gesammelt." Gegen Rapid fehlten sieben Stammkräfte. Präsident Peter-Michael Reichel ließ das nur bedingt als Ausrede gelten. "Warum die Ersatzleute die Hosen so voll hatten, weiß ich nicht. Wir zerbrechen uns den Kopf, haben aber keine Lösungen. Unser Kader ist zu klein." Der Weg, die Jugend zu fördern, werde freilich fortgesetzt. "Uns muss aber klar sein, dass wir von der Abstiegszone nicht mehr weit entfernt sind." Lindenberger stehe, so Reichel, "natürlich außer Diskussion."

Der Trainer wird in den nächsten Tagen häufig auf der Westautobahn anzutreffen sein. Lindenberger pendelt zwischen Wien und Linz. Er kümmert sich noch ein letztes Mal um die Tormänner der Nationalmannschaft, die am Mittwoch die Türkei fordert. "Ich versäume aber keine Einheit des LASK." Vielleicht wird er in Linz den Linzern das Video vom Rapid-Spiel vorführen, vielleicht aber auch nicht. "Es ist jedenfalls ein Lehr-Video. Aber auch eine Qual."

Peter Pacult sagte übrigens, auf Regen folge immer Sonnenschein, dazwischen könne es auch heftige Gewitter geben. Der Trainer sprach von einem "schönen Rapid-Abend", er lobte das Engagement, den Willen, den Spielwitz. "Alle waren giftig. Ich bin immer stolz auf diese Mannschaft. Weil ich sie aufgebaut habe." Markus Katzer gab nur zweieinhalb Wochen nach einem Bändereinriss im Knöchel ein Comeback, Pacult stellte ihn als "vorbildhaften Profi" hin. Der lange Stefan Maierhofer erzielte seinen ersten Hattrick für Rapid, er hält bei 15 Saisontreffern. "Danke, meine Mitspieler verwöhnen mich mit perfekten Vorlagen."

Ivica Vastic war also fix und fertig. "Weil ich gerade in meinem Alter nicht akzeptieren kann, was da passiert. Das ist nicht lustig." (Christian Hackl; DER STANDARD Printausgabe 17.11.2008)

 

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    Klaus Lindenberger hat sich den Start als Profi-Trainer anders vorgestellt.

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