Djokovic und der geschlossene Kreis

16. November 2008, 11:38
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Der Serbe Novak Djokovic gewann den ersten und den letzten Saison­höhepunkt der Tennis-Herren. Er bezwang im Masters-Cup-Finale den Russen Nikolai Dawydenko mühelos

Schanghai - "Der Kreis hat sich geschlossen, dieser Sieg ist ein gutes Omen für 2009", behauptete Novak Djokovic, 21 Jahre alt, in Belgrad geboren und in Monte Carlo daheim, nach dem 6:1, 7:5-Finalerfolg gegen den Russen Nikolai Dawydenko. Nur 102 Minuten dauerte der Abschluss beim Jahresabschluss der Tennis-Herren. "Ich habe nichts getroffen, dafür hat Novak perfektes Tennis gespielt", entschuldigte sich Dawydenko (27), der seit fast vier Jahren zu den Top Ten gehört, aber noch kein Grand-Slam-Turnier gewonnen hat.

In dieser Beziehung ist ihm Djokovic um den Titel bei den Australian Open voraus. Nach dem Triumph im Jänner in Melbourne hatte der 1,90 Meter hohe Spaßvogel, der ganz gerne aktuelle Gegner und ehemalige Tennisgrößen parodiert, die im März und im Mai folgenden Masters-Turniere in Miami und Rom gewonnen. Danach war Schluss mit Titeln, erst jetzt in Schanghai hat es wieder geklappt. Im Vorjahr, bei seiner Masters-Cup-Premiere, hatte die damalige Nummer drei der Welt nicht einmal einen Satz gewonnen.

Aktuell steht Djokovic noch immer an dritter Stelle, von Roger Federer trennen ihn aber nur noch zehn Punkte. Der Schweizer, der nach Schanghai gekommen war, um als erster Spieler seit Ivan Lendl (1985 bis 1987) dreimal in Folge das Saisonfinale zu gewinnen, scheiterte mit nur einem Sieg bei zwei Niederlagen erstmals schon in den Gruppenspielen. Rafael Nadal, Nummer eins und 2008 der überragende Mann auf der Tour, war wegen Knieproblemen gar nicht angereist und wird auch beim Daviscup-Finale zwischen Argentinien und Spanien am kommenden Wochenende in Mar del Plata fehlen.

Das Lebensziel

Federer wird im August 28, Nadal ist zwar sechs Jahre jünger, muss aber seiner kraftraubenden Spielweise vielleicht schon bald Tribut zollen. Die Zukunft könnte Djokovic und dem gleichaltrigen Schotten Andy Murray gehören, der Federer in Schanghai im letzten Gruppenspiel niederrang und anschließend psychisch und physisch erschöpft im Halbfinale an Dawydenko gescheitert war.

Dass er selbst schon im nächsten Jahr zur Nummer eins wird, hält Djokovic für möglich. "Es ist das große Ziel meines Lebens, und ich werde es erreichen. Vielleicht nächstes Jahr, vielleicht in zwei, vielleicht aber auch erst in zehn Jahren." Fix ist, dass er nie darben muss. Mit dem 1,24 Millionen Dollar für den Masters-Cup-Sieg ist er von zehn Millionen Dollar Karriere-Preisgeld nicht mehr weit entfernt. (sid, red, DER STANDARD Printausgabe17.11. 2008)

 

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    Djokovic gewinnt nach den Australian Open auch die inoffiziellen Weltmeisterschaft im Tennis.

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