Neue Frontlinie im Norden eröffnet

20. November 2008, 11:09
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Regierungstruppen stürmen Stellungen der tamilischen Rebellen - Hunderttausende von Nahrungsversorgung abgeschnitten

Colombo - Regierungstruppen in Sri Lanka haben am Donnerstag eine strategisch wichtige Verteidigungslinie der tamilischen Rebellen überrannt und damit eine neue Front eröffnet. Nach dreitägigen heftigen Kämpfen nahmen sie laut Militärangaben Stellungen der separatistischen Befreiungstiger von Tamil Eelam (LTTE) auf der Halbinsel Jaffna ein. Damit bedrängen die Regierungstruppen das von der LTTE kontrollierte Gebiet jetzt von zwei Seiten.

Bei den Kämpfen in der Nähe von Muhamalai seien zahllose Rebellen getötet worden, teilte das Verteidigungsministerium in Colombo mit. "Jetzt rücken wir auf die zweite Verteidigungslinie vor", sagte Militärsprecher Udaya Nanayakkara. Sprecher der LTTE waren wegen Störungen der Telefonleitungen zunächst nicht zu erreichen.

Hunderttausende von Nahrungsversorgung abgeschnitten

Die Eskalation der Kämpfe erschwert die Lage für mehrere hunderttausend Menschen im von den Rebellen kontrollierten Gebiet. Sie seien mitten in der Monsun-Saison mit ihren heftigen Regenfällen ohne Unterkunft und von jeder Nahrungsversorgung abgeschnitten, erklärte die Menschenrechtsorganisation Amnesty International (AI) und rief die srilankesische Regierung auf, internationalen Hilfsorganisationen den Zugang zu der Konfliktzone zu öffnen. Menschenrechtsminister Mahinda Samarasinghe wies die Vorwürfe von AI zurück und gab an, dass in den vergangenen Wochen sechs Konvois mit internationaler Nahrungsmittelhilfe in die Region aufgebrochen seien.

Der Kampf der Rebellen für einen eigenen Staat im Norden Sri Lankas hat seit 1983 mehr als 70.000 Menschen das Leben gekostet. Die Regierungstruppen befinden sich derzeit auf dem Vormarsch, nachdem sie vor Monaten einen unter norwegischer Vermittlung vereinbarten Waffenstillstand mit der LTTE aufgekündigt hatten: Am Wochenende hatten sie die gesamte Westküste des Inselstaates zurückerobert, stellten so wieder eine Landverbindung zur Halbinsel Jaffna her und unterbrachen den Separatisten eine weitere wichtige Nachschubroute. (APA/AP)

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    Die Armee marschiert auf die Rebellenhauptstadt Kilinochchi zu. Experten befürchten die schwersten Kämpfe auf der Insel seit Ausbruch des Konflikts vor 25 Jahren.

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