Historiker sind wir nicht

14. November 2008, 20:10
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Es sind ja vielfach nur Kleinigkeiten, die den Unterschied ausmachen

Wir alle kennen das Gefühl. Da nimmt man sich einer Sache mit besonderer Ernsthaftigkeit an, man müht sich ab mit dem Gedanken im Kopf: Das ist wichtig, jetzt nur ja keinen Fehler machen. Dann passiert's unausweichlich.

Unsere Album-Titelgeschichte von der Vorwoche ist so ein Beispiel. Alles war fertig, ein Text über das Wüten der Nationalsozialisten in dieser Novembernacht des Jahres 1938 eingepasst und beim Finalisieren des Vorspanns rutscht ein unsinniges „r" in den Text - Novemberprogrom. Das Wort Pogrom kommt aus dem Russischen und bedeutet Verwüstung, die lateinische Vorsilbe „pro" hat darin nichts verloren.

Ein nächstes Beispiel für Mühen, die die Dinge schlimmer machen, fand sich in der Donnerstagausgabe. Wir schrieben über die Feiern anlässlich der Ausrufung der Republik Österreich und formulierten das so: Nach dem Ende der Monarchie am 12. November 1918 feierte die Republik am Mittwoch ihren 90. Geburtstag. Dieser Satz lässt zu wünschen übrig, die zeitlichen Zusammenhänge sind etwas kraus dargestellt. Die sprachlichen Unebenheiten wurden noch in der Nacht begradigt und bei dieser Gelegenheit fand auch eine Titelkorrektur statt. Es hieß schließlich: Die 90-jährige Republik will „den Stürmen trotzen".

Getrotzt haben vorerst einmal wir der geschichtlichen Wahrheit, so alt ist die Republik nicht, auch wenn sie vor 90 Jahren erstmals ausgerufen wurde.

Es sind ja vielfach nur Kleinigkeiten, die den Unterschied ausmachen. In einer Logistik-Beilage präsentierten wir den Wetterdienst Meteomedia, leider nannten wir ihn Mediadata. Das ist Meteomedia unangenehm, weil der dieser Firma zugeschrieben falsche Name auf einen in Konkurs gegangenen privaten Wetterdienst und einige rechtliche Auseinandersetzungen verweist. Und das Wetter-Logistik-Portal der ÖBB, von dem die Rede war, heißt auch nicht INFO-Wetter, sondern INFRA-Wetter.

Zumeist weiß man ja wenigstens, was gemeint ist. Der Titel Fast ein Fünftel des Mittelstands will Jobs abbauen auf der Seite 1 vom Donnerstag lässt aber doch zu viel Intepretationsspielraum. Bedeutet das nun, dass 20 Prozent der Mittelstandsbürger in Pension gehen wollen? Undenkbar wäre das in Österreich nicht, gemeint waren aber klein- und mittelständische Unternehmen, so genannte KMUs. Das zu wissen, macht die Sache klarer, ihrer Natur nach aber nicht viel besser. (Otto Ranftl/DER STANDARD, Print-Ausgabe, 15./16.11.2008)

 

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