"Wir investieren in einen neuen Markt"

14. November 2008, 19:24
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Landeshauptmann Gerhard Dörfler im STANDARD-Interview die Vorgänge um die Förderungen des FC Kärnten, die Entstehung der Austria und fordert von Stermann/Grissemann eine Entschuldigung

Standard: Herr Dörfler, Sie als Sportlandesrat und Landesrat Georg Wurmitzer haben 2003 dem FC Kärnten Akademie-Förderungen bewilligt. Warum kamen die nie an?

Dörfler: Das war kein Vertrag zwischen dem FC Kärnten und dem Land, so etwas gibt es nicht. Es handelt sich um einen Regierungsbeschluss, dem FC Kärnten als Trägerverein für die Errichtung einer Akademie Förderungen zu gewähren - in zehn Jahresraten als Bedarfszuweisungen. Da die Akademie von einem Unternehmen der Stadt Klagenfurt gebaut wurde, ist der Grund für die Zuweisungen weggefallen.

Standard: In der Klage vor der Bundesliga argumentiert der FC Kärnten, er habe Planungskosten aufgewandt. Insgesamt habe ihn die Akademie von 1998 bis 2007, als sie an Austria Kärnten ging, rund 2,7 Millionen Euro gekostet.

Dörfler: Der FC Kärnten hat anteilig ab 2003 jährlich eine Million Euro pro Jahr Landesförderung für die Akademie erhalten. Aber ich kann doch einem Verein keine Förderung geben für ein Projekt, das nicht zustande gekommen ist.

Standard: Josef Steindorfer, der Präsident des FC Kärnten, behauptet, die Landesmittel seien von der Stadt Klagenfurt nicht weitergeleitet worden, was das Büro des Bürgermeisters bestreitet. Die Anwaltskanzlei Böhmdorfer bereitet für den FCK dazu eine Klage vor.

Dörfler: Ich kann nicht für die Stadt Klagenfurt sprechen, Tatsache ist, dass eine Kommune die Widmung für Gelder vom Land ändern kann, falls der Widmungszweck weggefallen ist. Ob einige der im Regierungsbeschluss bewilligten Landesgelder an Klagenfurt gegangen sind, werde ich prüfen.

Standard: Warum hat Landeshauptmann Haider vor eineinhalb Jahren um fünf Millionen Euro den FC Pasching nach Klagenfurt geholt, statt den FC Kärnten wiederaufzubauen?

Dörfler: Weil wir im neuen Stadion, das für die EURO gebaut wurde, einen Erstligaverein gebraucht haben. Austria Kärnten ist eine Erfolgsgeschichte, wir hatten im Spiel gegen den Abstieg 8000 Zuschauer. Wir bauen im ganzen Land die Fußballinfrastruktur auf.

Standard: Die Landestochter zur Vermarktung der Kärntner Trainingscamps ist vom Landesrechnungshof wegen Misswirtschaft kritisiert worden, Haiders Vertrauter Franz Koloini musste gehen.

Dörfler: Für die Organisation der EURO sind wir gelobt worden. Personelle Umbesetzungen kommen vor. Wir fördern 2009 die Kärnten-Camps mit rund 340.000 Euro, investieren in einen neuen Markt.

Standard: Werden Sie Stermann/ Grissemann nach ihrer Kabarett-Sendung über die Trauer um Jörg Haider einladen, in Kärnten aufzutreten?

Dörfler: Wenn sie sich entschuldigen, schon. Das würde auch von Größe zeugen.

Standard: Meinungsfreiheit, sobald der andere seiner Meinung abschwört?

Dörfler: Nein, ich habe mich auch entschuldigt für meinen Reifen-Sager. Das lernt man schon als Kind, sich zu entschuldigen, wenn man zu weit gegangen ist. (Mit Gerhard Dörfler sprach Johann Skocek - DER STANDARD PRINTAUSGABE 15.11. 2008)

 

Zur Person:
Gerhard Dörfler (53), BZÖ, war Sportlandesrat von Kärnten und ist als Nachfolger von Jörg Haider Landeshauptmann.

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