"Jetzt haben sie mich umgebracht"

14. November 2008, 19:08
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Der Präsident und Hauptsponsor des Erstligisten DSV Leoben, Hans Linz, steht wegen der Finanzkrise vor der Pleite

Leoben - Gut, sie haben nicht wirklich ideal zusammen gepasst, aber dass es gleich so dick daherkommt, haben beide nicht verdient. Nicht der Klub und nicht der Präsident.

Hans Linz steht finanziell an der Kippe. Der Präsident des Erstligisten DSV Leoben, noch vor wenigen Monaten wegen seines goldenen Händchens bei Geldgeschäften "Hans im Glück" gerufen (was an der Fußballbasis ob des damit verbundenen glamourösen Lebensstils nicht immer gut ankam), schlitterte wegen der Finanzkrise in den Ruin: Linz, der Onkel des Braga-Stürmers Roland Linz, muss aller Voraussicht nach, "wenn nicht noch ein Wunder passiert", wie er sagt, nächste Woche Konkurs anmelden.

Der obersteirische Geschäftsmann und Fußballmäzen hat mit seiner Investmentfirma HLF (Hans Linz Finanzberatung) nicht nur den Verein seit zehn Jahren gesponsert, sondern privates Geld seiner rund 3500 Kunden vorwiegend über den ins Schleudern geratenen Finanzdienstleister AvW (Auer von Welsbach Gruppe ) veranlagt. Linz sagt, gut 140 Millionen Euro von ihm seien dort gebunkert. Nachsatz: "Hoffentlich". Er habe keinen Zugriff mehr.

Linz zum Standard: "Ich habe AvW mit aufgebaut. Durch mich sind sie groß geworden, und jetzt haben sie mich umgebracht." Der historisch ironische Aspekt: Der Finanzunternehmer, der auch ein Wellness-Hotel betreibt, hatte den DSV vor Jahren vom Konkurs bewahrt - nun ist er selbst bankrott.

Der Schaden durch die Turbulenzen bei AvW, die nicht zuletzt wegen angeblicher Spekulations-Betrügereien nun auch ein Fall für den Staatsanwalt sind, sei noch nicht ermessbar. Er sehe sich jedenfalls außerstande, seine Verpflichtungen einzuhalten. Linz hatte dafür gebürgt, den Verein bis Ende der Saison zu finanzieren. Was nun hinfällig ist. Der obersteirische Traditionsverein, der heuer seinen 80. Jahrestag gefeiert hatte, steht praktisch zum Verkauf. "Verkauf ist natürlich nicht ganz richtig", relativiert der neue DSV-Geschäftsführer Eduard Tschaussnig. Es gehe lediglich darum, dass der laufende Betrieb finanziert wird. Tschaussnig: "Altlasten hat der Verein nicht".

"300.000 Euro brauchen wir bis Ende 2008 unter anderem für die GKK und das Finanzamt. Die müssten schnell her", verdeutlicht Linz. Sonst wird auch der Verein insolvent. Noch vor Wochen hätte ihm ein Investor drei Millionen für den Klub geboten. Die globale Finanzkrise habe den Deal vereitelt.

Es dürften etliche Fußballfans in Leoben-Donawitz die Sache recht zwiespältig verfolgen. DSV: Das ist obersteirische Erde, das ist Donawitz, Hochofen., Hackler, Stahl und Bodenständigkeit. Mit Linz, dem Geldgeber und Mäzen, kam der Nadelstreif in die Hüttenstadt. Bestes Schuhwerk, teure Wäsch', ein Auto, für das die Schichtler in Donawitz lange, sehr lange arbeiten müssen. Das rieb, und so war Donawitz zwar heilfroh, einen Superfinanzier im Stadion zu haben, aber gefunkt hat es zwischen dem Präsidenten und seinem Fußballfußvolk nicht wirklich. Jetzt ist der König zum Bittsteller geworden. Und der Klub hängt in der Luft. (Walter Müller - DER STANDARD PRINTAUSGABE 15.11. 2008)

 

  • Die Finanzkrise stürzte den Hauptsponsor und Präsidenten des steirischen Klubs DSV Leoben in den Ruin. Jetzt sucht der Klub dringend einen Käufer.
    foto: gepa, montage: friesenbichler

    Die Finanzkrise stürzte den Hauptsponsor und Präsidenten des steirischen Klubs DSV Leoben in den Ruin. Jetzt sucht der Klub dringend einen Käufer.

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