Die steinreichen Menschen von Yap

14. November 2008, 18:42
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Traditionelle Gesellschaften kennen die unterschiedlichsten Zahlungsformen

Wien - Steinreich sein, wer will das nicht? Im wahrsten Sinne des Wortes gelungen ist dies den Bewohnern der Insel Yap in Mikronesien. Ihre Währung war das Steingeld, bis zu fünf Tonnen schwere Kalksteine, die einen Durchmesser von vier Metern haben konnten.

Obwohl die Herstellung 1931 aufgegeben wurde, gelten sie immer noch als Zahlungsmittel. Einige der Besonderheiten dieser Rai genannten Geldform: Ihr Wert hängt nicht nur von der Größe, sondern auch von der Mühe des Transports ab. Denn die gemeißelten Steine, die zum Transport ein Loch in der Mitte haben, wurden mit Auslegerbooten vom 400 Kilometer entfernten Palau beschafft. Auf dem Weg nach Yap versanken auch immer wieder Steine im Meer. Sie behielten dennoch ihre volle Kaufkraft, da nicht der Standort, sondern lediglich das Wissen um den Besitzer zählte.

Wer einen Stein besaß, genoss hohes soziales Ansehen und galt als wohlhabend. Da sie mitunter der ganzen Dorfgemeinschaft gehörten, wurden sie auch als Kriegsentschädigungen oder Sühne für Frauenraub eingesetzt.

Monetaria moneta

Naturvölker kennen tausende verschiedene Zahlungsarten. Ausgehend vom Tauschhandel, entwickelten sich in traditionellen Gesellschaften unterschiedliche vormünzliche Zahlungsmittel (auch: traditionelles Geld). Einige Geldformen haben sich bei schriftlosen Völkern lange Zeit für den rituellen Gebrauch erhalten.

Zum Beispiel Kauri, mit der beachtenswert lateinischen Benennung Monetaria moneta. Verwendet wurden hierfür die außerordentlich festen Schalen der Kaurischnecke. Kauri war historisch gesehen eines der weitverbreitetsten und ursprünglichsten Zahlungsmittel im afrikanisch-asiatischen Raum sowie in Ozeanien.

Bereits 1500 v. u. Z. war die Kauri als Münze in China im Umlauf und verbreitete sich von da aus nach Asien und Afrika. Nach der sukzessiven Kolonialisierung wurde die Kauri-Währung verboten, von den Autochthonen aber noch lange als Geldersatz verwendet.

Eines der kuriosesten Zahlungsmittel war wohl das Insektengeld von St. Matthias, einer Inselgruppe in Papua-Neuguinea. Eine 1,83 Meter lange Kette aus Käferbeinen hatte den Wert eines Huhnes. (Barbara Forstner Karin Tzschentke, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 15./16.11.2008)

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