Personalspekulationen in Washington: Ein Team von Rivalen

14. November 2008, 18:31
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Der prestigeträchtige Posten der Chefdiplomatin ist das einzige Regierungsamt neben der Präsidentschaft, das dem Format Clintons entspricht

Eigentlich ist es schwer vorstellbar, dass Barack Obama und Hillary Clinton gemeinsam in einer Regierung Spitzenämter bekleiden könnten: Beide sind absolute Alpha-Tiere, die keinerlei „Nebenchefs" in ihrer Nähe dulden. Die oft recht harsch ausgetragenen Rivalitäten im Vorwahlkampf waren nicht gespielt, eine stimmige Chemie gab es zwischen den beiden Senatoren nie. Auch deswegen kam das von vielen Demokraten im Sommer so herbeigesehnte „Dreamteam" aus einem Präsidentschaftskandidaten Obama und einer Vizekandidatin Clinton nicht zustande.

Dass Clinton nun doch als kommende US-Außenministerin gehandelt wird, mag unter diesen Umständen verwundern. Andererseits: Gezählte 31 von 47 Mitgliedern in Barack Obamas Übergangsteam sind in irgendeiner Weise mit dem Clinton-Camp verbunden. Spötter sprechen bereits von einer „dritten Amtszeit für Bill Clinton". So gesehen macht es auch nichts weiter aus, wenn Hillary selbst an exponierter Stelle mitmischt - zumal es für sie im Senat aufgrund des Senioritätsprinzips noch keine angemessene Funktion gibt und der so wichtige wie prestigeträchtige Posten der Chefdiplomatin das einzige Regierungsamt neben der Präsidentschaft ist, das dem Format Clintons entspricht.

Für Obama, der seine Regierungsmannschaft schon im Frühjahr als hochleistungsorientiertes „Team von Rivalen" beschrieb, hätte diese Variante den Vorteil, dass die Clintons gewissermaßen neutralisiert wären. Oder, um es mit den Worten des gewieften Machttaktikers und demokratischen Präsidenten Lyndon B. Johnson zu sagen: „Es ist besser, jemanden im Zelt zu haben, der rauspinkelt, als jemanden, der ins Zelt hineinpinkelt." (Christoph Prantner, DER STANDARD Printausgabe, 15.11.2008)

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