US-Botschafter will ORF-Verurteilung von Emmerich-Rassismen

17. November 2008, 11:27
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Offener Brief an Generaldirektor Wrabetz: "Affront gegen designierten Präsidenten" - Strobl: Haben uns bereits "in aller Entschiedenheit" distanziert - Mit Brief im Wortlaut

Der US-Botschafter in Österreich, David F. Girard-diCarlo, fordert in einem offenen Brief  an ORF-Generaldirektor Alexander Wrabetz eine offizielle Verurteilung der rassistischen Kommentare des früheren ORF-Korrespondenten Klaus Emmerich über den designierten US-Präsidenten Barack Obama während der ORF-Livesendung zur US-Präsidentenwahl. ORF-Sprecher Pius Strobl meinte dazu am Freitagabend, das Unternehmen habe sich durch ihn von Emmerichs Äußerungen "praktisch in der Sekunde" distanziert und entsprechende Stellungnahmen auch an führende US-Medien übermittelt: "Mehr können wir nicht tun."

Emmerich hatte am 5. November im ORF unter anderem erklärt, dass er sich "nicht von einem Schwarzen in der westlichen Welt dirigieren lassen" wolle. Die US-Amerikaner hielt Emmerich in der TV-Diskussion "nach wie vor für Rassisten, und es muss ihnen schon sehr schlecht gehen, dass sie so eindrucksvoll ... einen Schwarzen mit einer schwarzen, sehr gut aussehenden Frau ins Weiße Haus schicken". Laut Emmerich wäre das ungefähr so, "wie wenn der nächste Bundeskanzler in Österreich ein Türke wäre".

"Affront gegen designierten Präsidenten"

In dem am Freitagabend veröffentlichten Brief an Wrabetz schreibt Girard-diCarlo, er selbst "verurteile diese rassistischen Äußerungen Emmerichs aufs heftigste. Sie sind ein Affront gegen den designierten Präsidenten und das Volk der Vereinigten Staaten von Amerika." Seit sie zu sehen gewesen seien, "wartet und hofft die US-Botschaft auf eine offizielle öffentliche Verurteilung seitens des ORF", erklärt der US-Botschafter. "Die Notwendigkeit einer solchen Verurteilung ist offensichtlich, da laut österreichischen Medienberichten Herr Emmerich diese Bemerkungen vor einem Fernsehpublikum von ca. 1,2 Millionen gemacht hat."

Der ORF-Generaldirektor werde dem US-Botschafter selbstverständlich auf dessen Brief antworten, meinte Strobl dazu: "Die Frage, was wir für angemessen halten, obliegt aber dem ORF". Dessen Haltung sei klar, wie sie auch bereits unmittelbar nach der Sendung breit kommuniziert worden sei: "Wir distanzieren uns in aller Entschiedenheit von diesen Aussagen", erklärte Strobl einmal mehr, die entsprechenden Abteilungen des ORF wüssten auch, wie sie nach dem Vorfall in ihrer künftigen Einladungspraxis "zu verfahren haben".

Der Brief im Wortlaut

"Dieses Schreiben bezieht sich auf die Kommentare des früheren ORF Korrespondenten Klaus Emmerich über den designierten Präsidenten Barack Obama während einer morgendlichen Livesendung im ORF am 5. November 2008.

Als Vertreter des Präsidenten der Vereinigten Staaten von Amerika in Österreich verurteile ich diese rassistischen Äußerungen Emmerichs aufs heftigste. Sie sind ein Affront gegen den designierten Präsidenten und das Volk der Vereinigten Staaten von Amerika.

Seit diese beleidigenden Statements vom ORF gezeigt wurden, wartet und hofft die US Botschaft auf eine offizielle öffentliche Verurteilung seitens des ORF.

Außer einigen Medienberichten, in denen Ihr Sprecher dahingehend zitiert wird, daß sich der ORF von Herrn Emmerichs Kommentaren "distanziert", gab es jedoch keine solch kategorische Verurteilung. Ich denke, daß der ORF dies seinen Sehern jedoch schuldig wäre.

Meiner Meinung nach wirft diese Kontroverse zwei eindeutige Probleme auf.

Erstens hat der ORF als öffentliches Fernsehen eine Verantwortung, diese Bemerkungen, welche die Grenzen des zivilen Umgangs überschritten und in einer modernen Demokratie wie Österreich inakzeptabel sein sollten, klar zu verurteilen. Die Notwendigkeit einer solchen Verurteilung ist offensichtlich, da, laut österreichischen Medienberichten, Herr Emmerich diese Bemerkungen vor einem Fernsehpublikum von ca. 1,2 Millionen gemacht hat.

Der zweite Problembereich ist die Absenz von Entrüstung und und Verurteilung seitens österreichischer öffentlicher Personen und Organisationen angesichts der Äußerungen Herrn Emmerichs. Außer des Protests der Grünen vom 6. November ist mir keine andere offizielle Verurteilung zu Kenntnis gekommen. Ich erwarte nicht, daß Sie für andere Stellung nehmen, aber ich ersuche Sie, eine klare öffentliche Erklärung zu machen, in der Sie, als Vertreter des öffentlichen Fernsehsenders, den Sie leiten, die Kommentare Herrn Emmerichs verurteilen.

Angesichts der Bestürzung, die Herrn Emmerichs Äußerungen bei meinen Kollegen in der Botschaft, bei anderen amerikanischen Staatsbürgern, und, wie ich glaube, auch bei vielen Österreichern ausgelöst hat, plane ich, diesen Brief, nachdem er Ihnen zugestellt wurde, auch der Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Hochachtungsvoll, David F. Girard-diCarlo" (APA/red)

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