Schwarz - oder doch weiß?

14. November 2008, 18:24
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Wenn es darum geht, Frauen zu benachteiligen, macht das wenig Probleme - Jeder weiß, was eine Frau ist, man kann sich gar nicht irren

Wenn es darum geht, Frauen zu benachteiligen, macht das wenig Probleme. Jeder weiß, was eine Frau ist, man kann sich gar nicht irren. Bei Menschen nicht weißer Hautfarbe ist das schon schwieriger. Nur allzu rasch sagt man - aus gegebenem Anlass - von jemandem, er wäre schwarz. Aber schürft man nur ein wenig tiefer in der Gedankengrube, dämmert die Erkenntnis: Eigentlich könnte man genau so gut sagen, er wäre weiß. Aber was ist nun richtig? Manche Leute, durchaus nicht die schlechtesten, wühlt diese Frage auf, also versuchen sie, ihr unbedingt auf den Grund zu kommen.

Nicht jeder kann es sich so leicht machen wie der Hauspoet der "Kronen Zeitung", der Dienstag ohne viel Federlesens die Gleichsetzung wagte: Auf Faymann ruht, wie auf Obama, die Hoffnung in dem Wirtschaftsdrama. Schön für Faymann, auch wenn er weder ein Schwarzer noch der uneheliche Sohn eines solchen ist. So leicht kann man es sich in einem Qualitätsblatt wie der "Presse" nicht machen. Da heißt es, tiefer zu denken. Am Dienstag fand das gleich an zwei Stellen des Blattes statt. Es wird auch weiterhin keinen schwarzen Präsidenten im Weißen Haus geben! behauptete kühn eine Kolumnistin des Hauses. Jedenfalls nicht in den nächsten Jahren, das weiß ich zufällig aus erster Hand.

Woher sonst? Nicht dass mir der neue James Bond geheime Informationen zugetragen hätte. Ich befürchte auch keinen bewaffneten Putsch. Es ist nur so: Barack Obama ist eigentlich gar nicht schwarz! Die erste Hand, aus der ihr diese Erkenntnis zuströmte, war offenbar ihre eigene. Oder besser: Wenn wir behaupten, er sei schwarz, dann können wir ihn mit dem gleichen Recht einen Weißen nennen. Er hat eine weiße Mutter und einen schwarzen Vater. Aber der weiße Anteil ist uns wurscht.

Den Herren Emmerichs zweifellos. Aber in der "Presse" will man solche Gleichgültigkeit nicht gelten lassen. Ein paar Seiten weiter hinten kam ein Experte - Zoologe an der Uni Wien und Leiter der Konrad-Lorenz-Forschungsstelle in Grünau - zu Wort. Der Sieg Obamas wird auch als Sieg gegen den Rassismus gefeiert. Warum eigentlich? Obama hatte einen schwarzen Vater und eine weiße Mutter. Trotzdem wird er offenbar generell als "schwarz" wahrgenommen.

Warum nur? Warum eigentlich wird er nicht als "weiß" gesehen? Schließlich ist er genauso "weiß" wie "schwarz", wenn er auch relativ "schwarz" aussieht. Könnte es sein, dass das an der Relativität liegt? Seine Hautfarbe unterscheidet ihn kaum von einem Sizilianer, und wem würde einfallen, einen Südeuropäer als "Schwarzen" zu bezeichnen? Beiträger der "Presse" können einem jede Freude vermiesen. Da waren wir begeistert, dass es in den Vereinigten Staaten endlich einen Sieg gegen den Rassismus gesetzt hat - und jetzt stellt sich heraus, dass wieder einer Weißer gewonnen hat.

Was die Frauen betrifft, hat Dichand bei der vorwöchigen Melange in "Live" ein klärendes Wort gesprochen. Auf die Frage, warum diese noch immer diskriminiert würden, sagte er: Es gibt keinen Grund dafür, aber es ist in unserer Gesellschaft leider so eingeführt. Schauen wir in der Geschichte nach. Erst im Jahre 1918 wurde die verfassungsrechtliche Verankerung der Frau beschlossen.

Diese Verankerung weckte in ihm die Erinnerung des Seemannes an die Frau, zu der ich einen besonderen Bezug habe. Wer könnte das sonst sein als Pallas Athene, die Göttin der Weisheit. Im Jahre 1943 besichtigte ich als Soldat bei einem Landurlaub die Akropolis in Athen. Kurz zuvor hatte ich den Untergang des Hilfskriegsschiffes "Leverkusen" nur knapp überlebt. Seit diesem Treffen mit der Göttin weiß er: Wir können sie wohl auch zum Leitbild günstiger Leistungen auf feministischem Gebiet machen. Aber: Die Idee einer Frauenquote gefällt mir nicht sehr, weil in unserer Gesellschaft doch rein die Qualifizierung ein Kriterium sein sollte.

Apropos: "Der österreichische Journalist" qualifizierte. Hermann Petz hat die Innsbrucker Moser Holding in nur sechs Jahren zu einem nationalen Medienhaus ausgebaut. Der "Journalist" zeichnet ihn dafür als "Medienmanager des Jahres" aus. Voreilig, denn im Interview hatte sich der also Qualifizierte nicht gänzlich geöffnet. Parallel zum Zeitpunkt des Erscheinens hatte er sich entschlossen, die "Oberösterreichische Rundschau" in eine Gratiszeitung zu verwandeln. Samt Arbeitsplatzverlust für Journalisten. Also legte man einen Zettel bei: Wir nehmen daher die Auszeichnung von Hermann Petz zurück - noch bevor wir sie übergeben haben. Das kommt vom Hudeln. (Günter Traxler, DER STANDARD; Printausgabe, 15./16.11.2008)

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