Behörde interessiert Telefonsex ohne Warnung

14. November 2008, 18:41
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Dubiose Praktiken in jüngster Zeit - Mehrwertnummern sind nicht erkennbar, nach einem Anruf hat man ein Monatsabo

Wien - Die "heißen Luder" und "geilen Girls", die von der Tonbandstimme versprochen werden, sind erstaunlich reserviert, wenn man sich als Journalist meldet. Und sie nach der Art der Verrechnung ihres Service fragt. Denn derzeit scheinen Unternehmer dabei zu sein, mit dubiosen Abrechnungsmethoden an das Geld der sexinteressierten Teenager und Männer zu kommen. Die Behörde ermittelt, die Betreiber weisen jede Schuld von sich.

In den Kontaktanzeigen der Boulevardblätter findet sich für jede Neigung die passende Telefonnummer. Von der "Hängebusenomi" über die "Vollblutdomina" bis hin zu "Juli, 18, Gratissex". Viele dieser Inserate sind korrekt gekennzeichnet. Als Nummern, die mit 0930 beginnen und bei denen auch die Preise ersichtlich sind - von 90 Cent bis 1,81 Euro pro Minute reicht die Bandbreite da.

Allerdings: Andere Nummern sehen viel harmloser aus. Die Vorwahlen sind beispielsweise "01" für Wien oder "0650" für den Mobilfunkbetreiber Telering. Doch auch wer diese Nummern wählt, kann plötzlich hohe Rechnungen bekommen.

Herr Matthias S. hat diese Erfahrung gemacht. Für zwei Anrufe aus "Neugier/Langeweile" musste er 130 Euro zahlen. Auf die Kosten sei er nie hingewiesen worden, beteuert er.

Wählt man derartige "normale" Nummern in einer Telefonzelle mit Telefonwertkarte, zeigt sich, dass die Schilderung des Herrn korrekt ist. Bei Nummern des "Mobile Entertainment Network" etwa. Dort fragt eine Tonbandstimme zunächst, ob man bestehender oder Neukunde ist. Im zweiten Fall kommt ein Untermenü, wieder eine Ebene darunter kommt der Hinweis auf ein "Abo, mit dem man 60 Minuten am Tag ein Monat lang um 65 Euro anrufen kann". Dass dieses Abo schon mit dem aktuellen Anruf abgeschlossen wird, ist nicht klar erkennbar. Ein ähnliches Konzept verfolgt auch "Tele Inside", deren Homepage in Tschechien registriert ist.

"Wir hätten den Dienst schon längst eingestellt, wenn er ille- gal wäre", beteuert Sebastian Schwarz von "Tele Inside". Details wisse aber der Rechtsanwalt. Schwarz will "weg von der Mehrwertabzocke hin zum erotischen Telefonvergnügen". Denn würde man die 1800 Abo-Minuten komplett aufbrauchen, würde die Minute nur mehr 3,6 Cent kosten.

Bei der Telekom-Control verweist Sprecherin Daniela Andreasch dagegen darauf, dass bereits Aufsichtsmaßnahmen eingeleitet worden seien. Auch die Fernmeldebehörde sei informiert worden, um mögliche verwaltungsstrafrechtliche Schritte einzuleiten. Beim heimischen Bundeskriminalamt weiß man derzeit noch nichts von etwaigen Malversationen. (Michael Möseneder, DER STANDARD - Printausgabe, 15./16. November 2008)

  • Im Geschäft mit Telefonsex geht es um viel Geld.

    Im Geschäft mit Telefonsex geht es um viel Geld.

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