Personalrochaden nach Turbulenzen

14. November 2008, 18:01
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Der langjährige CA-Chef, Guido Schmidt-Chiari, hat sich aus der Herbert-Turnauer-Stiftung, die Christine de Castelbajac zuzurechnen ist, verabschiedet. CA-Immo macht gegen Aufsichtsrat Christian Nowotny mobil


Wien - Guido Nikolaus Schmidt-Chiari, langjähriger Vertrauter des Industriellen Herbert Turnauer und, nach dessen Tod, von Turnauers Tochter Christine de Castelbajac, ist aus der liechtensteinischen Herbert-Turnauer-Stiftung (HTS) ausgeschieden. Diese Stiftung ist Christine de Castelbajac zuzurechnen. Über die niederländische Constantia Packaging B.V. hat der Turnauer-Tochter bis vor kurzem die Constantia Privatbank, CPB, gehört. Ins Reich der Christine de Castelbajac gehört auch der börsenotierte Verpackungskonzern Constantia Packaging AG.

Zum Grund für das Ausscheiden des 76-jährigen Ex-Creditanstalt-Generaldirektors aus der HTS gibt es verschiedene Interpretationen. Die eine ortet angesichts der Immofinanz-Turbulenzen und der enormen Haftungen der niederländischen B.V. eine rapide Abkühlung des Klimas zwischen Castelbajac und Schmidt-Chiari. Laut der anderen Erzählvariante habe Schmidt-Chiari seinen Rücktritt vor zwei Wochen aus eigenem Antrieb eingereicht, weil er in der Doppelfunktion Immofinanz-Aufsichtsrat und Stiftungsvorstand eine Interessenkollision sieht.

Hintergrund: Der Immofinanz gehört die Mehrheit an der Immoeast, die macht Haftungsansprüche gegen die B.V. geltend, die selbige aber bestreitet.
Aufsichtsratspräsident der Constantia Packaging AG soll Schmidt-Chiari, dessen Engagement vom dortigen Vorstand sehr geschätzt wird, bleiben; wobei die Mandate 2009 auslaufen. Der Finanzvorstand der Constantia Packaging AG, Helmut Schwager, war übrigens bis September bzw. Oktober 2008 auch Aufsichtsratschef der Immofinanz und Immoeast.

Die börsennotierte Constantia Packaging AG erwartet heuer das beste Ergebnis ihrer Geschichte, ein Teil ihrer Aktien ist verpfändet. Rund 12,8 Prozent an die Bank Austria, die der B.V. im Sommer 2007 den Kauf von 12,8 Prozent an der Packaging AG finanziert hat; Verkäufer war die Amag. Zehn Prozent sind an Investor Rudolf Fries verpfändet.

Nidetzky statt Petrikovics

Nach dem Rücktritt von Ex-CPB-Banker und Ex-Immofinanzchef Karl Petrikovics als Aufsichtsratschef der Bundesimmobiliengesellschaft (BIG) zeichnet sich dort ein Nachfolger ab. Der renommierte Steuerberater Gerhard Nidetzky wird im für die BIG zuständigen Wirtschaftsministerium als Nachfolger von Petrikovics favorisiert.
Dem BIG-Aufsichtsrat gehören Wolfgang Polzuber (Wirtschaftsministerium), Herbert Krasser (Verkehrsministerium) und Horst Pöchhacker (ÖBB) an. Nidetzky ist zudem Aufsichtsratschef der börsennotierten CA Immo. An der CA-Immo ist die Bank Austria mit zehn Prozent beteiligt.

Hinter den Kulissen wird im CA-Immo-Aufsichtsrat laut darüber nachgedacht, sich vom CA-Immo-Aufsichtsrat Christian Nowotny (im Zivilberuf Professor an der Wiener Wirtschaftsuniversität) zu trennen. Der Gesellschaftsrechtler (zuletzt erstellte er für die ÖIAG ein Gutachten in Sachen AUA-Verkauf) sorgte zuletzt als Aufsichtsratsmitglied der Immofinanz Beteiligungs AG (Ibag), die mit der Immofinanz gesellschaftsrechtlich nichts zu tun hat, für Aufsehen. Wie berichtet hat die Immoeast im Zuge der letzten Kapitalerhöhung angeblich eine Anleihe der Ibag im Volumen von 900 Mio. Euro gezeichnet. Die Ibag-Organe bestreiten, dass es eine solche gibt; Nowotny, der Petrikovics in den vergangenen Jahren intensiv beraten haben soll, dürfte aber einen "Entwurf" dafür erarbeitet haben.

Trennung

Petrikovics' Frau, Beatrix, ist unterdessen aus den familieneigenen Immogesellschaften ausgeschieden. Seit 31. Oktober ist sie laut Firmenbuch nicht mehr unbeschränkt haftende Gesellschafterin der KPE Liegenschaftshandels GmbH. Am 25. Oktober schied sie auch aus der STF Immobilienhandels GmbH aus. (Renate Graber, Claudia Ruff, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 15./16.11.2008)

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