Weiterbildung nach Maß

14. November 2008, 17:57
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Maßgeschneiderte Programme liegen im Trend - Ob ein Angebot die Erwartungen erfüllt, hängt vom Mitarbeiter und dessen Funktion ab

"Haute Couture für die Zukunft" war Titel einer Diskussion zur "Weiterbildung mit maßgeschneiderten Firmenprogrammen", bei der sich Expertinnen und Experten austauschten. Jörg Markowitsch, Department für Weiterbildungsforschung und Bildungsmanagement der Donau-Uni (DU) Krems, und Astrid Kleinhanns, Managing Director der WU Executive Academy, sprachen mit dem Geschäftsführer der ÖBB-Dienstleistungs GmbH, Franz Nigl, und Marlies Buxbaum, Gründerin und Leiterin des Beraterzentrums Dorotheergasse (bzd).

Im universitären Angebot fänden sich vermehrt speziell für Firmen entworfene Lehrgänge, so Jörg Markowitsch. Diese Entwicklung gebe es an seiner Hochschule, aber auch an der WU, was Astrid Kleinhanns bestätigte, ohne Firmenkunden der Executive Academy nennen zu wollen. Klar sei aber: "Individuell angepasste Weiterbildung hat in diesen Unternehmen einen besonders hohen Stellenwert."

Maßschneiderung allein sei natürlich nicht alles, betonte Franz Nigl. Es sei aber ein wichtiges Signal, "dass man weggeht von der Verteilung per Gießkanne". Das ÖBB-Top-Performer-Program stelle deshalb geeigneten Mitarbeitern "Management-Ressourcen präventiv zur Verfügung". Wenn der Bedarf an "Management-Power" entsteht, kann "schnell auf diese Mitarbeiter zurückgegriffen" werden.

Selbstverantwortung

Die Hinwendung zur individuellen Note in der betrieblichen Weiterbildung sieht auch bzd-Leiterin Marlies Buxbaum "ganz stark". Gleichzeitig streicht sie die Selbstverantwortung der Mitarbeiter heraus: "Es gilt, die eigene Weiterbildung voranzutreiben" - durch Möglichkeiten wie die Bildungskarenz oder ein Sabbatical. Oft stoßen Personalentwickler auf Widerstand, wenn Mitarbeiter für Fortbildungen freigestellt werden sollen, so Kleinhanns. Grundsätzlich sei die Akademisierung der Weiterbildung sinnvoll. Die höhere Ebene garantiere mehr Output als Seminare und Trainings.

Akademischer Standards in die Personalentwicklung seien überhaupt maßgeblich, weshalb sich Kleinhanns für "Vor- und Nachmodule" ausspricht. Bildungswillige sollen sich gründlich einlesen und im Vorfeld spezifische Fragen abarbeiten. Im Nachhinein seien Projekte abzuwickeln, die die innerbetriebliche Vernetzung fördern.

Wie "passgenau" ein maßgeschneidertes Angebot ist bzw. ob es die Erwartungen erfüllt, zeigt sich nach Ansicht von DU-Experte Markowitsch erst bei der Umsetzung des Gelernten am Arbeitsplatz. „Weiterbildung ist immer in einen Change-Prozess eingebunden", bei dem Größe und Umfang der Maßnahme bedeutend sind. Bildlich gesagt: "Es macht einen Unterschied, ob ich mir eine Krawatte, ein Hemd oder einen ganzen Anzug auf den Leib schneidern lasse."

Man solle die Bedeutung der Weiterbildung nicht zu hoch ansetzen: Schlussendlich "zählt der Mitarbeiter", so Nigl. Eine besondere Rolle nähmen dabei Führungskräfte ein: „Sie kennen ihre Mitarbeiter" und hätten im Bereich der Erwachsenenbildung eine ähnliche Funktion "wie die Eltern" bei der Grundausbildung: zu Helfen, die beste Option zu wählen. (Bernhard Madlener/DER STANDARD; Printausgabe, 15.11./16.11.2008)

  • Franz Nigl (ÖBB), Jörg Markowitsch (Donau-Uni), Astrid Kleinhanns (WU Executive Academy) und Marlies Buxbaum (Beraterzentrum Dorotheergasse) diskutierten über die betriebliche Weiterbildung.
    foto: standard: hendrich

    Franz Nigl (ÖBB), Jörg Markowitsch (Donau-Uni), Astrid Kleinhanns (WU Executive Academy) und Marlies Buxbaum (Beraterzentrum Dorotheergasse) diskutierten über die betriebliche Weiterbildung.

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