Hardt verdiente Millionen

14. November 2008, 16:26
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Alexander Schweickhardt macht mit seiner Hardt Group aus dem Geld der Superreichen noch mehr Geld - und verdient kräftig mit

Wien - Wer mit Alexander Schweickhardt einen Termin vereinbart, sollte flexibel sein. Das Treffen kann sich kurz davor um 24 Stunden verschieben. Etwa, weil Schweickhardt gerade in Nigeria ist. "Um eine große Transaktion zu closen." So etwas kann länger dauern als angenommen.
Trotz Transaktion hält der Termin. Punktgenau auf die Minute. Schweickhardt, soeben zurück aus Afrika, erklärt in seinem Büro am Wiener Stubenring: "Wir haben eine Ölraffinerie gekauft, upgegradet und verkaufen sie jetzt wieder."

Der 43-Jährige CEO der Investmentfirma Hardt Group, der seinen Doppeldoktor in Jus und BWL in Rekordzeit erlangt und sich dann bei der "Schoeller Capital Management" zum Vorstand emporgearbeitet hatte, ist heute das, was man gern eine "Heuschrecke" nennt. So lästerte einst SPD-Chef Franz Müntefering über Private-Equity-Gesellschafter ab, die, wie die gefräßigen Schwarminsekten, über marode Unternehmen herfallen, alles kahlfressen und dann weiterziehen.

In Schweickhardts Schreibtischlade sitzt ein giftgrüner Heuschreck. Während er das Plastik-Präsent eines Freundes hervorholt, erklärt der gebürtige Klagenfurter, der aus einer Unternehmerfamilie stammt, in seinen Worten, was die Hardt Group macht. Für ihre Kunden - also Leute mit viel Geld - legt die Firma "rund eine Milliarde Euro" an. In Hedgefonds wie in Private-Equity. "Wir investieren das Geld mit dem klaren Ziel, es in einem gewissen Zeitraum ohne Limitationen zu vermehren." Schweickhardts Leute schneiden dabei kräftig mit, weil: "Umsonst gibt's nichts."

So beteiligte sich die Hardt Group etwa durch die Kingsbridge Capital (London) an der wegen Spekulationsverlusten schwächelnden Kärntner Hypo Alpe Adria, um die Anteile - als die Bank auf Vordermann gebracht war - dann raschest an die Bayerische Landesbank zu verkaufen. Allein der Deal brachte Schweickhardt & Co. zig Millionen ein.

Mittlerweile muss auch die Kärntner Hypo das Bankenrettungspaket der Regierung in Anspruch nehmen. Lernte auch die Hardt Group mit der Finanzkrise schon das Fürchten? "Die Welt geht nicht unter." Was Schweickhardt aber "überrascht hat, war die Wucht, mit der das eingetreten ist. Wir alle hatten quasi mit einem Schlechtwetter gerechnet. Aber dann war es, als würde man in der Badehose am Strand stehen und plötzlich kommt ein Tsunami daher."

Als Erstes schwemmte der die US-Investmentbank Lehmann Brothers fort. Schweickhardts aktuelle Investments blieben scheinbar noch verschont. "Viele Opec-Staaten stocken auf. So pervers es klingt, aber Länder wie Nigeria scheinen von der Weltkrise nicht betroffen zu sein." Im Erdöl-Emirat Dubai wiederum wird eben Schweickhardts Immobilienprojekt - "ein 256 Meter hoher Office Tower" - fertiggestellt. Sein "nächstes Target" ist "ein börsennotiertes Unternehmen" . Welches? No comment. Die Konkurrenz liest ja mit.

Immer wieder schrillt Schweickhardts Handy, sein wichtigstes Instrument im Job. "Die Welt arbeitet sieben Tage die Woche und das 24 Stunden am Tag" , sagt er, der auf vier Kontinenten Geschäfte macht. Wegen der Zeitverschiebung hebt Schweickhardt Tag wie Nacht, Samstag wie Sonntag, ab. Seit fünf Jahren kann der Hardt-Group-Gründer "zu niemandem sagen: ,By the way, bei uns ist Freitag. Ich geh‘ erst am Montag wieder ans Telefon.‘" Parallel dazu jettet Schweickhardt ständig zwischen Wien, Mittlerem Osten, London und New York hin und her.

Welchen Luxus er sich gönnt, will er nicht preisgeben. Was er auch verschweigt, jedoch die New York Times zu berichten wusste: Schweickhardt leistet sich zwei Penthouses an der East Side mit Blick auf den Central Park.

In Österreich, "wo ein sozialistischer Grundton gegenüber jenen, die viel verdienen, herrscht" , winkt der Millionär bei solchen Storys gleich ab. Was im Leben außer Cash zählt? "Im Gleichgewicht zu sein. Dass ich einigermaßen happy bin." Und das, meint Schweickhardt, sei "ein lebenslanger struggle" . Also nicht nur für Arm, auch für Reich. (Nina Weißensteiner/DER STANDARD Printausgabe, 15./16. November 2008)

  • Auch einen Investment-Profi wie Alexander Schweickhardt ließ der
Ausbruch der Finanzkrise nicht kalt: "Es war, als würde man in der
Badehose am Strand stehen, und plötzlich kommt ein Tsunami daher."
    foto: standard/cremer

    Auch einen Investment-Profi wie Alexander Schweickhardt ließ der Ausbruch der Finanzkrise nicht kalt: "Es war, als würde man in der Badehose am Strand stehen, und plötzlich kommt ein Tsunami daher."

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