ÖSV gehen Slalomfahrerinnen aus

14. November 2008, 16:34
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Alarm vor heutigem Auftakt in Levi - Mandl: Carver Grund für "faules, degeneriertes Skifahren" - Hosp, Zettel wollen Schilds Fehlen kompensieren

Levi - Zum bereits sechsten Mal geht am Samstag (10:00/13.00/live ORF) in Levi ein Damen-Weltcupslalom in Szene. In allen fünf davor stand zumindest eine Österreicherin auf dem Podest, vor zwei Jahren gab es auf dem Tunturi sogar einen von Marlies Schild angeführten ÖSV-Dreifachsieg. Doch die Zeiten haben sich geändert. Mit Schild fehlt die Beste und der ÖSV bringt in Finnland nur ein Miniteam von sechs Läuferinnen an den Start.

Vielleicht sogar nur fünf, denn Simone Streng war wegen eines im windigen Freitag-Training - sogar die Gondel wurde gestoppt, die Damen mit Bussen zum Start gefahren - verrissenen Rückens fraglich. Ohne die beiden Europacup-Läuferinnen Streng und Katrin Triendl würde die ÖSV-Damentruppe in Levi überhaupt nur aus vier Mädchen bestehen. Ohne "Allrounderin" Elisabeth Görgl, die auf dem oben extrem flachen Hang in Levi schon zwei Mal Zweite war, derzeit im Slalom aber um den Anschluss kämpft, sogar nur noch aus drei.

ÖSV-Damenchef Herbert Mandl sieht den Carving-Ski als Auslöser dafür, dass selbst im Ski-Mutterland Österreich die technisch starken Slalomfahrerinnen immer weniger werden. "Ein guter Impuls für den Normalskilauf. Im Rennlauf hat sich aber ein bequemes und faules, fast schon degeneriertes Skifahren entwickelt", sprach der Coach in Finnland ernste Worte. Auch das immer stärker aufkommende Skifahren in der Halle passt da ins Bild. Mandl: "Gut fürs Training, aber die Rennen dort ergeben ein völlig verzerrtes Bild. Auf diesen flachen Hängen kann jeder schnell fahren."

Im ÖSV versucht der frühere Slalom-Chef Bernd Brunner im Nachwuchsbereich mit 16 und 17-jährigen das Loch zu stopfen. Es wird aber wohl Jahre dauern, bis das Problem behoben worden ist. Wenn überhaupt. "Die meisten Läuferinnen aus den Landeskadern fallen nur noch um und lassen den Rest vom Ski erledigen", so die nüchterne Technik-Analyse Mandls. Hoffnungen wie die jüngere Schild-Schwester Bernadette könnten durchaus noch diese Saison im Weltcup eingesetzt werden. Mandl: "Levi wäre aber zu früh, da hätte es nur Watschen gegeben."

Laut Mandl wird man in Finnland deshalb vergeblich auf eine Überraschung durch eine junge Läuferin warten. Denn das Problem sei kein "österreichisches", doch trotzdem treten die vom Österreicher Mathias Berthold gecoachten Deutschen in Lappland mit gleich neun Damen an. Damit scheint klar, dass im kommenden Winter eher die bekannten Routiniers wie Tanja Poutiainen sowie die Spezialistinnen Sarka Zharobska, Therese Borssen, Chiara Costazza und die in der Szene am stärksten eingestufte Slowakin Veronika Zuzulova im Slalom den Ton angeben werden.

Ob der Ausfall von Schild für Nicole Hosp und Co. Chance oder Belastung ist, muss sich erst zeigen. In Sölden hatte Kathrin Zettel mit ihrem Riesentorlauf-Sieg überrascht und für einen perfekten Auftakt gesorgt. Im Slalom gilt Hosp, zuletzt zweimal Zweite im Disziplinen-Weltcup hinter Schild, nun als zwingende Favoritin.

Die Tirolerin, seit Sölden mit dem Raiffeisen-Giebelkreuz am Kopf unterwegs, will sich mit dieser "logischen Schlussfolgerung" aber nicht abfinden. "Da sind genug andere, die uns das Leben schwer machen", beteuerte die Bichlbacherin. "Außerdem bin ich im Slalom noch nicht hundertprozentig in Schuss."

Während Michaela Kirchgasser mit einem Top-Ten-Platz in Levi zufrieden wäre, hat Zettel viel Selbstvertrauen aus Sölden nach Finnland mitgebracht und peilt eine Platzierung in den Top-5 an. "Aber im Slalom bin ich noch nicht so weit wie im Riesentorlauf", bremste die Göstlingerin, wiewohl ihr Mandl nachsagte, im Training die Konstanteste gewesen zu sein. Das Fehlen von Schild kommentierte Zettel so: "Die Tür nach oben ist nun sicher einen Spalt weiter aufgegangen."

Auch Mandl ist bewusst, dass das verletzungsbedingte Aus von Schild Auswirkungen haben wird. "Damit ist Hosp im Slalom unsere einzige, die schon gewonnen hat. Und uns fehlt eine wichtige Siegläuferin, die anderen Punkte wegnimmt. Im Kampf um die Kugel wird es damit für Hosp und Görgl nicht wirklich leichter."

Levi ist bereits Teil zwei des Kampfes um die große Kristallkugel der Saison 2008/2009. Deshalb darf man auch US-Titelverteidigerin Lindsey Vonn nicht vergessen. "Sie ist im Flachen so stark, dass sie im Levi-Slalom in die Top-6 fahren kann", traut Mandl der besten Speedpilotin des Vorwinters viel zu. (APA)

ÖSV-Damenteam für Levi (6): Nicole Hosp, Kathrin Zettel, Michaela Kirchgasser, Elisabeth Görgl, Katrin Triendl, Simone Streng (fraglich)

 

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    Herbert Mandl hat Sorgen um den Nachwuchs bei den Technikerinnen.

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