"Ich und die Menge. Massenpsychologie und Massenpolitik im Wien der Zwischenkriegszeit"

14. November 2008, 16:17
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Vortrag am 19. November in Wien

Michael Gamper: "Ich und die Menge. Massenpsychologie und Massenpolitik im Wien der Zwischenkriegszeit"

Veranstaltung im Rahmen der Veranstaltungsreihe "Abschiede 1938. Die Vernichtung des geistigen Wien"

19. November 2008
Ort: Wienbibliothek im Rathaus, Lichtenfelsgasse 2, 1010 Wien
Zeit: 18 Uhr s.t.

Massenphänomene prägten das politische und intellektuelle Leben im Wien nach der Jahrhundertwende nachhaltig: Der Erfolg von Karl Luegers populistischer Propaganda stellte die Manipulierbarkeit der Öffentlichkeit unter Beweis, die Proletarier der Vorstädte erschienen der bürgerlichen Gesellschaft zunehmend als Bedrohung, und der Justizpalastbrand im Jahr 1927 führte anschaulich die Dynamik, Macht und Gewalt von Menschenmengen vor Augen. Diese Eindrücke sowie europäische Ereignisse wie der Erste Weltkrieg und der Aufstieg der Massenpsychologie führten in Wien zu einer intensiven theoretischen Beschäftigung mit der Masse, die in der Psychoanalyse ihren intellektuellen Bezugspunkt hatte. Sigmund Freud, Paul Federn, Elias Canetti, Heimito von Doderer, Robert Musil und Hermann Broch sind dabei nur die bekanntesten Autoren, die sich der Problematik in ihrer Vielschichtigkeit, Heterogenität und Ambiguität zugewandt haben. Im Zentrum stand dabei die Situation des Einzelnen in der Menge - sein Verhalten, seine Gefühle, seine Bindungen. Michael Gamper spricht in seinem Vortrag über die Eigenheiten des wienerischen Diskurses über die Masse in der Zwischenkriegszeit und diskutiert diese im Zusammenhang der politischen und diskursiven Dynamiken der Zeit.

Michael Gamper ist SNF-Förderprofessor für Literaturwissenschaft am Zentrum für Geschichte des Wissens an der ETH Zürich. In seiner Habilitationsschrift beschäftigte er sich mit der Menschenmenge. Sie erschien bei Fink unter dem Titel: Masse lesen, Masse schreiben. Eine Diskurs- und Imaginationsgeschichte der Menschenmenge 1765-1930, München 2007.
Weitere Veröffentlichungen (u. a.): Die Schweiz in Form. Sport und Nation in einem kleinen Land, Zürich 2005; (Hg. Zusammen mit Hans-Georg von Arburg, Ulrich Stadler), Wunderliche Figuren. Über die Lesbarkeit von Chiffrenschriften, Fink, München 2001; "Die Natur ist republikanisch". Zu den ästhetischen, anthropologischen und politischen Konzepten der deutschen Gartenliteratur im 18. Jahrhundert, Würzburg 1998.

Eine Veranstaltungsreihe von IFK, der Kulturabteilung der Stadt Wien - Wissenschafts- und Forschungsförderung/Wiener Vorlesungen - MA7 und der Wienbibliothek im Rathaus - MA9. (red)

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