"Ich bin meiner Moral verpflichtet"

14. November 2008, 17:00
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Hans Peter Haselsteiner ist gegen eine Deckelung bei den Gehältern - Fehlentscheidungen nicht einzugestehen, hält er für eine Todsünde

Bauunternehmer Hans Peter Haselsteiner nimmt sich kein Blatt vor den Mund. Weder bei der Academy-of-Life-Gala von Siemens am vergangenen Mittwochabend noch davor im Gespräch mit Judith Hecht.

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"Ich habe alles richtig gemacht, die Marktsituation ist schuld!" - Diese Worte aus dem Mund eines Topmanagers bringen Hans Peter Haselsteiner in Rage. Nicht den Mut zu haben, Fehlentscheidungen einzugestehen, hält der Industrielle für eine Todsünde: "Ich erwarte von meinen Führungskräften, dass sie mich informieren, wenn sie etwas falsch gemacht haben. Alles andere hätte gravierende Konsequenzen. Die Folgen sind nämlich, reagiert man verzögert, nicht mehr in Schach zu halten. Das gilt für wirtschaftliche, vor allem aber für falsche personelle Entscheidungen."

Der Vater

Er selbst versuche mit gutem Beispiel voranzugehen. Einstehen, hat man etwas angestellt, und seiner Moral treu bleiben - das habe ihm sein Vater konsequent eingebläut und auch vorgelebt. "Er hatte ganz unerschütterliche Grundeinstellungen. Widersprach jemand seinen Prinzipien, brach er sofort jeden Kontakt mit ihm ab. Auch jeden geschäftlichen."

Diese Haltung sei heute selten. Missstände würden geduldet, wenn sie auffliegen. "Jetzt sagen alle, der Petrikovics war uns immer unheimlich, und der Meinl auch. Aber sie waren doch anerkannte Persönlichkeiten, hatten Zugang zu allen gesellschaftlichen Plattformen. Die jetzigen Kritiker taten alles, um sie zu fördern", wundert sich Haselsteiner. Sich im Nachhinein mit erhobenem Finger aufzuspielen ist nicht Sache des erfolgreichen Unternehmers.

Aufträge überall


Er wäre bereit, für alles und überall auf der Welt Bauaufträge anzunehmen, sagt Haselsteiner, solange alles rechtlich einwandfrei sei und seinen Moralvorstellungen entspreche: "Alexander Lukaschenko tut das nicht, darum ist die Strabag auch in Weißrussland nicht tätig, obwohl wir vielfach dazu eingeladen worden sind".

Keinen Gewissenskonflikt hat der Konzernchef, wenn es um "hohe Managergehälter" geht. Eine Deckelung des Salärs mit 500.000 Euro hält er jedenfalls für abstrus: "Wirklich gute Leute werden einfach nicht bereit sein, derart verantwortungsvolle Jobs, wie es etwa der eines Vorstandmitgliedes in einer Bank ist, zu machen." Was der gebürtige Tiroler in diesem Zusammenhang überhaupt nicht tolerieren will, ist die - mittlerweile allseits ins Visier geratene - Praxis, Manager mit Aktienoptionen zu bezahlen: "So eine Vorgehensweise gehört ins Strafgesetzbuch, weil sie die Herren veranlassen kann, die Interessen der gesamten Gesellschaft aus den Augen zu verlieren. Vielmehr werden sie darauf hinarbeiten, am Stichtag einen hohen Kurs zu erzielen".

Gewinnbeteiligungen

Dass ein nicht unwesentlicher Anteil der Managervergütung vom Erfolg des Unternehmens abhängig sein soll, ist für den Handelswissenschafter jedoch klar. "Bei uns" sagt Haselsteiner, "gibt es die jährliche Gewinnbeteiligungen nur für einen nachweisbaren, objektivierbaren Erfolg".
Aber auch das ist für den umtriebigen Unternehmer nicht der Idealfall: "Es kommt mir darauf an, dass wir nachhaltig erfolgreich wirtschaften. Das kann man in Wahrheit nach einem Jahr gar nicht beurteilen. Viel besser wäre es, wenn das Erfolgshonorar erst am Ende _einer vierjährigen Vorstandperiode ausgezahlt wird".

2010 enden die laufenden Vorstandverträge bei der Strabag . Die neuen Kontrakte, betont Haselsteiner, werden schon ganz anders aussehen. (Judith Hecht/DER STANDARD; Printausgabe, 15.11./16.11.2008)

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    Hans Peter Haselsteiner.

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