Opel bekommt vom Staat Milliardenhilfe

16. November 2008, 17:10
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Deutschlands Kanzlerin Angela Merkel macht die Staatshilfe für Opel zur Chefsache. Am Montag wird verhandelt. Bei Opel Wien ist die Belegschaft bereits auf Kurzarbeit

Frankfurt/Wien - Angela Merkel ist grundsätzlich bereit, die von Opel erbetenen Bürgschaften zu gewähren. Die Bundesländer Rheinland-Pfalz und Hessen, wo es Opel-Werke gibt, ebenso. Der US-Mutterkonzern General Motors, dessen dramatische Lage die Zukunft von Opel bedroht, kämpft unterdessen in Amerika um dringend benötigte Milliardenkredite. Die Hilfen drohen in politischen Grabenkämpfen zwischen Demokraten und Republikanern zerrieben zu werden.

Opel Wien ist aufgrund der Nachfrageschwäche bereits auf Kurzarbeit. Im November werden im Motorenbau vier Fertigungstage weniger gearbeitet, im Getriebebau neun, und der Weihnachtsurlaub wird um zwei Tage verlängert. Außerdem wurde eine Betriebsvereinbarung abgeschlossen, wonach Minustage gemacht werden können, die später gegen Mehrarbeit gegengerechnet werden können.

Opel Deutschland betonte, mit den bei Bund und mehreren Bundesländern beantragten Bürgschaften lediglich für den Fall einer drohenden Insolvenz der Konzernmutter General Motors (GM) vorzusorgen. Aktuell sei das Unternehmen zahlungsfähig. Opel beschäftigt in Deutschland knapp 25.700 Menschen. Ein Zusammenbruch würde auch Zulieferer belasten.

GM schuldet Opel laut Medienberichten noch mehrere Milliarden Euro zum Beispiel für Entwicklungsarbeiten. Opel befürchte, das Geld nie zu bekommen. GM wolle der deutschen Tochter nun Vermögenswerte in Europa als Sicherheiten für Kredite überlassen.

Zusatzmaßnahmen

Die deutsche Regierung will offenbar auch andere Autohersteller unterstützen. Es wurden bereits Prüfaufträge für weitergehende Stützmaßnahmen vergeben. Als mögliche Zusatzmaßnahmen wurden höhere Kreditlinien der KfW zum Kauf von Autos, um die Kreditzinsen für Käufer zu senken, genannt. Oder die Einführung einer Verschrottungsprämie. Die gesamte europäische Autoindustrie hofft auf vergünstigte Kredite in einem Umfang von 40 Milliarden Euro. Die Europäische Investitionsbank prüft ein entsprechendes Paket.

In Deutschland regt sich auch Kritik an den geplanten Hilfen für die kränkelnde Autoindustrie. Der Präsi-dent des Steuerzahlerbundes, Karl-Heinz Däke, sagte, es sei zu befürchten, "dass der Steuerzahler zwar für die Opel-Milliardenbürgschaft aufkommen muss, aber die Arbeitsplätze weiter in Gefahr sind". (dpa, cr, szem, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 17.11.2008)

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    Deutschland will nicht nur Opel, sondern allen deutschen Autoherstellern in der Krise helfen, um dem massiven Nachfragerückgang entgegenzuwirken.

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