Ex-Verbund-Chef verlässt Meinl Power

14. November 2008, 15:07
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Soweit wie möglich habe er - so Hans Haider - die Best-Practice-Usance von größeren heimischen Börse-AGs umgesetzt. Er habe "ein reines Gewissen" und gehe "erhobenen Hauptes"

Wien - Im Sommer 2007 sorgte es für Aufsehen, als Julius Meinl V. den Ex-Finanzminister Karl-Heinz Grasser und den früheren Verbund-General Hans Haider für die an die Börse strebende Meinl International Power (MIP) gewinnen konnte - nicht einmal eineinhalb Jahre später ist das Gastspiel von Haider bei der MIP beendet: In einer außerordentlichen Hauptversammlung wurde er am Freitag als MIP-Chairman abgesetzt - und mit ihm auch das übrige Board.

Lange hatte es der 66-Jährige dank seiner allseits unbestrittenen Energie-Expertise verstanden, nicht in den Strudel der Kritik an Meinl selbst und an der Entwicklung der börsenotierten "Schwestergesellschaften" Meinl European Land (MEL) und auch der Meinl Airport International (MAI) zu gelangen, die mittlerweile anders heißen und die ersten im Abnabelungsprozess waren. Nun folgt auch die MIP, die laut HV-Beschlüssen von heute in Zukunft praktisch von den selben Leuten geleitet wird wie die Airports International.

"Überzeugt", als Chairman die MIP zu dirigieren, hat Haider vor eineinhalb Jahren "die Geschäftsidee, über einen Fonds Anlagen im Bereich Energie zu tätigen", wie der Ex-Verbund-Chef am Freitag in seinem "Abschluss-Statement" sagte. Soweit wie möglich habe er die Best-Practice-Usance von größeren heimischen Börse-AGs umgesetzt. Er habe "ein reines Gewissen" und gehe hier "erhobenen Hauptes hinaus", so Haider am Freitag nach der ao HV. Noch vor Tagen hatte er gehofft, dass sich das Board mit seinen Tagesordnungspunkten durchsetzt und die "Rebellen" in den Abstimmungen unterliegen werden.

Von der Verbund-Spitze abgetreten war Haider im Mai 2007 im Alter von 65. In seine Vorstands-Ära - er gehörte der Verbund-Chefetage seit 1994 an - fiel die Liberalisierung des heimischen Strommarktes, die Auslandsexpansion des Verbund, aber auch das Tauziehen um die "Österreichische Stromlösung" (ÖSL) mit mehreren Landes-EVU aus Ostösterreich, aus der nur eine Vertriebskooperation geworden ist.

Dr. Hans Haider wurde am 10. Mai 1942 in Oberneukirchen (Oberösterreich) geboren. Nach Abschluss des Studiums der Nachrichtentechnik an der TU Wien durchlief Haider mehrere Karrierestationen bei Siemens Österreich, wo er ab 1989 Vorstand des selbstständigen Geschäftsgebietes Audio- und Videosysteme war. Seit Jänner 1994 war Haider Vorstandssprecher, seit April 2003 Vorstandsvorsitzender des Verbund. Unter dem Druck des Wettbewerbs hat der Verbund mehr als die Hälfte der Jobs von 1994 abgebaut.

An den Widerständen der Länder gescheitert ist 2006 unter Ägide Haiders die geplante Fusion von Verbund und OMV, die - was die tagelangen Aktienabstürze zeigten - auch am Kapitalmarkt wenig goutiert wurde. Wenig Gefallen fand der Verbund-Chef an der "ÖSL", der geplanten Kooperation von Verbund und EnergieAllianz (EVN, Wien Energie, Bewag). Sein Nachfolger an der Verbund-Spitze, der nach oben nachgerückte langjährige Finanzvorstand Michael Pistauer, wird heuer zu Jahresende 65-Jährig abtreten und vom früheren Palfinger-Chef Wolfgang Anzengruber beerbt.(APA)

 

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