Fundstücke: Hoffmanns Erzählungen über Hitler

14. November 2008, 19:44
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Soll man lesen, wie der Leibfotograf des Führers die überwiegend freundlichen und stolzen Erinnerungen an seine jahrzehntelange Propagandatätigkeit über mehr als 200 Seiten ausbreitete?

Soll man lesen, wie der Leibfotograf des Führers die überwiegend freundlichen und stolzen Erinnerungen an seine jahrzehntelange Propagandatätigkeit über mehr als 200 Seiten ausbreitete? Man soll. Denn Heinrich Hoffmann (1885-1957) trug nicht nur zur Schaffung und Verklärung des Hitler-Bildes bei, er lieferte auch eine „Fülle visueller Kenntnisse und Erkenntnisse, die er (...) der Nachwelt nolens volens übermittelt hat". So schätzte es Joe Heydecker ein, der Hoffmann 1954 für die Münchner Illustrierte ausführlich interviewte. Weil dem Stellenwert der visuellen Medien in der (totalitären) Politik immer mehr Aufmerksamkeit gewidmet wird, liegt der Text nun in Buchform vor.

Ergänzt hat ihn die Fotohistorikerin Milena Greif mit Analysen von Hoffmanns Bildern; sie weist die Strategien und ideologischen Blickwinkel des Wegbegleiters Hitlers nach. Mindestens so vielsagend sind aber Hoffmanns Erinnerungen: Anekdoten und Schnurren über „erheiternde Zwischenfälle" und „köstliche Begegnungen", die sich zu einem hohlen und scheinbar wertfreien Mosaik zusammensetzen.

Keine Perspektive, die ihm erlaubt hätte, viel mehr zu sagen als: „Im Grunde war Hitler ein Kaffeehausmensch." Sein Hitler-Bild ist so opportun retuschiert, wie er schon in der kurzlebigen Münchner Räterepublik vorgegangen ist, um sich gute Bilder zu sichern - damals noch mit einer roten Armbinde. Unfreiwillig öffnet Hoffmann dem Leser die Augen.(Michael Freund/ALBUM - DER STANDARD/Printausgabe, 15./16.11.2008)

 

 

„Das Hitler-Bild. Die Erinnerungen des Fotografen Heinrich Hoffmannl". Aufgezeichnet von Joe J. Heydecker. Nachwort von Georg Seeßlen. € 22,-/ 248 Seiten . Residenz, St. Pölten 2008.

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