Saure Milchbauern blockieren Hoferlager

14. November 2008, 14:07
24 Postings

Proteste gegen die Preissenkungen des Diskonters bei Milchprodukten, Auslieferungsstopps stehen nicht zur Debatte

Innsbruck  - Mit einer rund eineinhalbstündigen Blockade der Zufahrt zum Hofer-Zentrallager für Westösterreich in Rietz im Tiroler Bezirk Imst haben Tiroler und Vorarlberger Milchbauern am Freitag gegen die Preissenkung des Diskonters bei Milch und Milchprodukten protestiert. Die Kundgebung der Landwirte verlief aber insgesamt friedlich. Rund 1.000 Bauern aus Tirol und Vorarlberg waren beteiligt.

Friedliche Kundgebung

Die offizielle Kundgebung begann gegen 10.00 Uhr und löste sich etwa zwei Stunden später friedlich und ohne Zwischenfälle wieder auf, schilderte eine Sprecherin des Bauernbundes. Weitere Protestaktionen seien ebenso wenig ausgeschlossen wie länger andauernde Blockaden. Über Anlieferungsstopps werde vorerst nicht nachgedacht. Hofer habe für nächste Woche Gespräche in Aussicht gestellt.

Die Bauern wollen aber jetzt endlich Taten sehen, sagte Christa Entstrasser vom Bauernbund. An der Kundgebung war auch der Tiroler Agrarlandesrat und Bauernbundobmann LHStv. Anton Steixner (V) beteiligt.

Durch die Milchpreissenkung bei Hofer sehen die Bauern ihre Existenz bedroht. Es seien Betriebsaufgaben zu befürchten, was gravierende Folgen für den Tourismus und die Landschaftspflege haben könnte. Eine Informationskampagne für Konsumenten vor allen Tiroler Hofer-Filialen ist für morgen, Samstag, geplant.

Billig-Milch-Importe

Hofer hat in einer Aussendung unterdessen - neben einem "Bekenntnis zu Österreichs Milchbauern" - die jüngsten Preissenkungen damit begründet, dass man damit "bewusst gegen Importe von Billig-Milch aus den Nachbarländern gegensteuert". Hofer beziehe prioritär alle in Österreich verfügbaren Milchprodukte weiterhin von den heimischen Milchbauern und importiere nicht wie andere Ketten Billigprodukte aus dem Ausland.

In Abstimmung mit seinen langjährigen Partnern aus der Landwirtschaft habe Hofer die aktuelle Preissenkung bei den Milchprodukten diskutiert und festgesetzt. Beide Seiten tragen gemeinsam die damit verbundenen niedrigeren Preise. "Das ist das beste Mittel im Kampf gegen die Billig-Importe ausländischer Milcherzeugnisse", heißt es in der Aussendung.

Kritik an der Aktion der Bauern kam vom Tiroler Wirtschaftsbundobmann Jürgen Bodenseer (V). "Ich verurteile diese Vorgangsweise generell, bin aber noch mehr verwundert darüber, dass Mitglieder der Landesregierung, namentlich Anton Steixner, auf die Straße gehen," sagte er in einer Aussendung. Das Grundproblem der Milchpreis-Debatte sei nicht der Handel, sondern die viel zu hohe europäische Milchquote. Hier brauche es eine "europäische Lösung".

Solidarisch mit den Bauern zeigten sich dagegen die Tiroler Grünen, die Tiroler FPÖ und das BZÖ. Der bisherige Milchpreis für die Tiroler Bauern und Bäuerinnen müsse gewährleistet bleiben. "Wir appellieren deshalb heute an die Tiroler KonsumentInnen, ihre Marktmacht zu zeigen und in schwierigen Zeiten unseren Tiroler Bauern und ihren Milchprodukten die Stange zu halten", sagte Georg Willi, Chef der Tiroler Grünen.

Die bäuerlichen Betriebe Tirols müssen gegen die Konkurrenz durch Massen-Produzenten in den anderen EU-Staaten und deren "agrarindustrielles Preisdumping" abgesichert werden. Die Konkurrenz der Supermarktketten untereinander dürfe nicht Ursache für ein weiteres Preisdumping bei der Milchproduktion sein, sagte FPÖ-Landesparteiobmann Gerald Hauser.

Angesichts der am Donnerstag bekanntgegebenen Preissenkung bei der Tirol Milch, verlangte das BZÖ, dass die Bauern in die Milchpreisbildung miteinbezogen werden. Andernfalls seien auch Anlieferungstopps denkbar, hieß es. (APA)

Share if you care.